
Keine Hunde
Diese Kneipe hat einen Vogel
Text: Thomas Böhm/Fotos: Sönke Tollkühn
Gastronom Michael Bohm, 33, hat einen komischen Vogel. Theo heißt der und ist ein „Schwarzer Afrikanische Kronenkranich". Majestätisch stolziert er im Garten zwischen alten Flugzeugteilen hinter der ehemaligen Fliegerkneipe herum und begutachtet die Gäste. Gefällt ihm einer nicht, schüttelt er seine goldene Kopfkrone.
„Theo ist ein eitler Pfau", erzählt Michael. „Wenn er nicht gerade auf die Tische springt und sich die Körner aufpickt, die ihm meine Besucher darbieten, steht er vor der Glasscheibe, putzt sein Gefieder und bewundert sich."
Vor 14 Jahren hat Michaels Vater, eigentlich ein Papageien-Fan ein Kranich-Pärchen im Alter von 3 Monaten aus dem Brandenburgischen gekauft. 1200 Euro, der Vogel.
„Das war anfangs ziemlich aufregend. Die beiden Jungvögel sind jeden Morgen zum Dorfteich geflogen und haben dort ein Bad genommen. Wir durften sie dann mit Mühe wieder einfangen". Doch Theos Braut starb früh und seit dem hat er den Garten nicht mehr verlassen.
„Wir brauchten seine Flügel nicht zu stutzen. Das ist auch gut so, denn wenn abends Fuchs oder Katze bei herumschleichen, kann er aufs Dach steigen. Ich glaube, er weiß gar nicht mehr, dass er auch lange Strecken fliegen könnte." Bei einer Spannweite von 1,30 Meter dürfte das auch kein Problem sein.
Ist es ihm zu warm, badet er im Gartenteich und fischt sich nebenher ein paar Stichlinge aus dem Wasser. Ansonsten steht er auf Mais, Körner und besonders Erdnüsse.
„Mit denen habe ich ihn fast handzahm gekriegt, wenn ich ihn damit locke, folgt er mich auf Schritt und Tritt."
Alle paar Wochen - das liegt so in der Art des Kronenkranichs - kriegt er seinen Rappel und fängt wie wild an zu tanzen, ein Balzritual. Dann halten sogar die beiden frechen Aras ihren Schnabel.
Michael: „Das ist mir lieber, als wenn er schlechte Laune hat, denn dann nervt er sogar Hunde, die in unseren Garten kommen."
Dafür ist Theo winterhart, auch bei minus 15 Grad geht er nicht in die Kneipe: Kein Himmel über dem Kopf, keine Fluchtmöglichkeit.
Michael: „Wir überlegen ernsthaft, ihm wieder ein Weibchen zu kaufen. Schließlich kann Theo noch gut und gerne 10 Jahre älter werden und die soll er nicht unbedingt alleine verbringen. Auch wenn wir dann wieder zum Dorfteich müssen.!"
Info: Der Kronenkranich kann bis zu105 groß werden, er wird wegen seiner Federhaube auf dem Hinterkopf auch »Pfauenkranich« genannt wird. Die 3 Unterarten sind über Afrikas offene, marschartige Feuchtlandschaften verbreitet. Dort finden sie sich oft zu mehreren Hunderten zusammen, um nach kleineren Reptilien und Insekten, vorzugsweise Heuschrecken, zu suchen. Vielerorts hält man deswegen zahme Kronenkraniche auf Farmen und in Gärten, wo sie als »nützliche« Vögel den Schutz des Menschen genießen. Eine besondere Jagdmethode dieser Kraniche besteht darin, dass sie kräftig mit den Füßen auf den Boden stampfen und so Insekten aufscheuchen, die sie dann geschickt beim Auffliegen abfangen.
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