
Keine Hunde
Affenscharf
Text: Thomas Böhm/Fotos: Sönke Tollkühn
Mit seinem buschigen Kopf, den glatt nach hinten fallenden seidenen Haaren sieht „König Arthur" aus wie ein winziger Gremlin. Als Zwergseidenäffchen ist er auch tatsächlich der Kleinste seiner Art, aber für Peter Berbalk, 38, aus Ziesar ist er ein ganz großer, weil er sich rührend um seine halbblinde Gattin „Mimi" kümmert.
„Ich pflege die beiden seit siebzehn Jahren. Sie sind unzertrennlich. Man kann König Arthur und Mimi wirklich als glückliches Paar bezeichnen."
Die 20 Zentimeter großen und 120 Gramm schweren Zwergseidenäffchen sind nicht die einzigen Primaten, die in Peters großen Außen/Innengehegen auf seinem Haus- und Kleintierhof „Vonderrosa" herumturnen und Fliegen und Spinnen fangen. Neben Weißbüscheläffchen, Rotbauch-, Braunrücken- und Rothandtamarinen klettern auch diverse Hörnchen aus aller Welt über die akribisch und fantasievoll zusammengebauten Abenteuerspielplätze. „Vor zwanzig Jahren hat mir mal ein Bekannter ein Äffchen in die Hand gedrückt, weil er für längere Zeit berufsmäßig nach Übersee musste. Der hat sich bei mir nicht mehr gemeldet, also musste ich für den Kleinen ein Weibchen suchen. Affen sind nicht gern allein."
Aus der Pflichtübung wurde eine Leidenschaft, mittlerweile steht Peter Berbalk im regen Zuchtaustausch mit diversen Zoos in Europa. „Am Anfang war ich in der ganzen Region der einzige, der solche exotischen Tiere hielt. Selbst die Obere Naturschutzbehörde in Belzig musste sich erstmal informieren. Ich habe mir alles selber beigebracht, mich mit Affenpflegern aus aller Welt kurzgeschlossen und meinen Sachkundenachweis bei Herrn Klös und Herrn Rahn in der Futterküche des Berliner Zoos gemacht."
Peter Berbalk kann sich ein Leben ohne die Winzlinge nicht mehr vorstellen: „Ich sitze oft stundenlang vor den Gehegen und beobachte sie. Das ist viel aufregender als Fernsehen."
Morgens schneidet der Affenvater Früchte in kleine Würfel, abends mischt er einen Brei aus Früchtpulver, Calcium, Traubenzucker und Möhrensaft und zwischendurch schmiert er Baumharz in die vor gebohrten Astlöcher, die seine Lieblinge dann mit den Fingern herauspulen - davon ernähren sich die Zwergseidenäffchen in ihrer südamerikanischen Heimat am liebsten.
„Meine Frau füttert sie dann. Ich spiele die Rolle des Bösewichts und muss die Äffchen mit dem Käscher einfangen, wenn sie untersucht werden müssen."
Demnächst reist Peter Berbalk wieder zu einem internationalen Affenpflegertreffen, um Erfahrungen und neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen: „Ich kann immer wieder dazulernen. Auch die kleinsten Affen sind wie wir Menschen noch nie zu Ende erforscht worden."
Info: Haltung: pro Paar mindestens 5 Quadratmeter Gehege mit ausreichend Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Mehrere Zugänge zu Wasser- und Futterbehälter, eine zusätzliche Heizlampe. Der Käfig drinnen muss täglich gereinigt werden. Zwergseidenäffchen müssen bei der Oberen Naturschutzbehörde angemeldet und das Gehege muss abgenommen werden. Ein Sachkundenachweis ist ebenfalls vorzulegen. Preis pro Äffchen: ca. 1000 Euro.
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