Guten Appetit heißt es in der Tierfutterkrippe NeuköllnWenn der große Hunger kommt

B.A.R.F. - was der Wolf mochte,
schmeckt auch dem Hund

Wochenlang hatte der Weimaraner-Rüde Canis gesundheitliche Probleme. Sein Fell war matt und löchrig und er hatte oft Durchfall. Der Tierarzt stellte eine Futtermittelallergie fest. Also hat Frauchen Beret Kierzek die Ernährung umgestellt. Canis bekommt jetzt nur noch rohes Fleisch, Gemüse und Obst zu fressen. B.A.R.F. - biologisch artgerechtes Rohfutter. Und das bekommt ihm gut.
Hartmut Doddeck, 41, Ernährungsexperte und Betreiber der Tierfutterkrippe in Neukölln: „Das industriell gefertigte, billige Dosenfutter besteht oft nur aus gekochten tierischen Nebenprodukten und ist in der Regel mit bis zu 80 Prozent Getreide angereichert. Getreide kann ein Hund aber gar nicht verwerten, außerdem ist dieser Füllstoff oftmals Auslöser der Allergie."


In der Tierfutterkrippe bekommen die Vierbeiner das, was Vorfahre Wolf auch in der Natur zum Fressen gern hatte: Rindergulasch, grünen Pansen, Fleck, Schlund, Kehlkopf, Herz und anderes Muskelfleisch. Natürlich portioniert. Das Kilo Frischfleisch kostet durchschnittlich 2,50 Euro bis 3,00 Euro.
Hartmut Doddeck: „Mit einer artgerechten Fütterung erhält der Hund alles, was er braucht: Eiweiß, Fett, Mineralien, Vitamine, Enzyme und Ballaststoffe."
Täglich gibt es in der Tierfutterkrippe frisches FleischDoch rohes Fleisch allein hält den Hund nicht fit. Tierarzt Jan Schneider:„Man kann einen Hund nicht nur mit reinem Muskelfleisch füttern, ohne Mangelerscheinungen zu schaffen. Auch der Wolf ernährt sich nicht nur von Fleisch. Seine Nahrung besteht aus Pflanzenfressern, deren Mageninhalt sich aus Obst und Gemüse zusammensetzt. Zusätzlich frisst der Wolf immer wieder mal gezielt Beeren und Grünzeug, um sich mit den notwendigen Vitaminen zu versorgen."
Das weiß auch Hartmut Doddeck und empfiehlt deshalb zusätzlich eine Mischung aus Äpfeln, Bananen, Möhren, Sellerie und Eisbergsalat. Dabei schlägt er ein Verhältnis von 2/3 Fleisch und 1/3 Obst und Gemüse vor. Allerdings muss dieses vorher zerkleinert werden: „Die Verdauungssäfte des Hundes können die Zellulose der pflanzlichen Zellwände nicht aufschließen. Nur wenn diese durch einen Mixer, Pürierstab oder Entsafter aufgebrochen werden, kann der Hund Gemüse und Obst verdauen."
Rohes Schweinefleisch ist tabu, weil dadurch das Aujeszky-Virus übertragen werden kann. Diese Erkrankung verläuft bei Hunden und Katzen tödlich. Innereien wie Leber, Lunge und Niere sollten höchstens einmal im Monat und nicht mit anderem Fleisch gefüttert werden, da sie zu Durchfall führen können. Außerdem tabu sind gekochte Knochen, Weintrauben, Rosinen, Zwiebeln, Avocados und Schokolade. Das alles ist Gift für den Hund. Getrocknete tierische Produkte wie Ochsenziemer, Schweineohren, Pansen und Hühnerfüße sind nicht nur Appetithäppchen, sondern auch gut für Zähne und Zahnfleisch. Kalzium holt sich der Hund aus dem Mark und der Gelatine beim Knochenknabbern.
Für gutes rohes Fleisch stehen die Hunde schlangeJan Schneider: „Diese Form der biologisch artgerechten Ernährung findet immer mehr Anhänger, ist aber sicherlich aufwendiger als das Füttern aus der Dose und nicht unumstritten. Durch das rohe Fleisch können Salmonellen über den Hund auf den Menschen übertragen werden."
Frauchen Beret auf jeden Fall ist zufrieden und die Fütterung mit B.A.R.F. hat noch einen positiven Nebeneffekt: „Seit dem Canis rohes Fleisch kriegt, haben sich seine Hinterlassenschaften um die Hälfte reduziert, weil er das Futter viel besser verwertet."