Frauchen sagt tschüs und der Hund bleibt gelassenHund allein zu Haus

Experte Enrico Lombardi sagt, wie der Vierbeiner ohne Probleme und Stress auch ohne seine Rudelführer in der Wohnung gelassen werden kann

Text: Thomas Böhm/ Fotos Sönke Tollkühn

Laut einer Umfrage der Tierschutzorganisation TASSO dürfen 51 Prozent der Hundehalter ihren Liebling mit zur Arbeit nehmen - die anderen müssen ihr Tier zuhause lassen und das oft viele Stunden lang. Weil der Hund ein Meutetier ist, fällt ihm die Trennung vom Rudelführer besonders schwer. Wenn Herrchen oder Frauchen sich die Schuhe anziehen, die Jacke überwerfen und mit dem Schlüssel klimpern, heißt es für ihn: „Hurra, es geht mit dem Rudel nach draußen!" Um so größer ist der Frust, wenn die Tür vor seiner Schnauze zugeknallt wird. Frust bedeutet Stress und den will der Vierbeiner abbauen.
Hundeexperte Enrico Lombardi, 37: „Der Hund versucht instinktiv Kontakt zu seinem Rudel zu halten, in dem er heult. Wenn er wimmert oder jault, schüttet er dabei Endorphine aus, die ihn in einen Trancezustand versetzen. Der hält nicht lange an, also belohnt er sich mit Ersatzhandlungen wie Teppiche und Tischbeine zerbeißen oder an der Tür scharren."
Was ist also zu tun, damit der Hund in unsere Abwesenheit den Nachbarn nicht in den Ohren liegt und die Wohnungseinrichtung zerlegt?


Der Profi gibt Tipps:
1. Keine große Verabschiedungs- bzw. Begrüßungszeremonie durchführen. Eine zeitweilige Trennung sollte für den Hund das Normalste der Welt werden.
2. Damit der Hund das Allein bleiben mit etwas Positiven verknüpft, sollte sein Nahrungstrieb genutzt werden. Zum Training etwas ganz Leckeres und Seltenes (z.B. Markknochen) anbieten. Das Futter präsentieren, aber ihn nicht ranlassen. Jacke und Schuhe anziehen, Schlüssel nehmen und erst dann den Hund an das Futter lassen. Anschließend den Raum verlassen, so lange der Hund beschäftigt ist. Die Übung wiederholen, nun aber kurzzeitig die Wohnung verlassen. Die Zeit der Abwesenheit von Mal zu Mal verlängern.
Das richtige Ablenkungsmanöver beruhigt den Hund3. Der Hunde benötigt einen festen ruhigen Platz, an dem er sich wohlfühlt und der ihm Sicherheit gibt.
4. Vor dem Alleinbleiben muss der Hund natürlich ausgelastet sein. Vor der Arbeit mindestens 1 Stunde Gassi gehen, inklusive Spielen und Toben.
5. Normales Hundespielzeug verliert schnell seinen Reiz. Spannender ist z.B. „Stuff a Ball" - der Ball muss gerollt werden, damit er Futter ausspukt (16-20 Euro). „Biskuit Ball" - dieser Ball muss festgehalten werden, um an den Keks zu kommen (ca. 15 Euro). Für geistige Auslastung sorgt „Intelligenzspielzeug", mit dessen Hilfe der Hund sich sein Futter verdienen muss (ab 35 Euro). Auch ein „Futtertimer" erleichtert das Alleinsein. Er funktioniert wie eine Zeitschaltuhr. In regelmäßigen, einstellbaren Abständen spukt er Futterbälle aus (ab 120 Euro).
Länger als sechs Stunden sollte der Hund allerdings nicht in der Wohnung gelassen werden. Vielleicht gibt es ja einen netten Bekannten oder Nachbarn, der den Hund kurz zum Gassigehen ausführen kann. Ansonsten empfiehlt sich ein Ausführservice (ab 15 Euro die Stunde) oder eine Tagesbetreuung (ab 25 Euro).