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Neues aus der Wolfsregion
Super! Die Wölfe kommen näher (und reißen keine Kälber!)
Im Rahmen des BfN Vorhabens „Ausbreitungs- und Abwanderungsverhalten von Wölfen in Deutschland" wurden 2009 und 2010 insgesamt sechs Wölfe mit GPS-GSM Halsbandsendern ausgestattet . Vier der Tiere werden aktuell überwacht.
Die vorläufigen Ergebnisse aus der aktuellen Studie zeigen deutlich die individuellen Unterschiede der „vierbeinigen Projektmitarbeiter".
Während der besenderte Jungwolf „Alan" bereits mit knapp einem Jahr bis nach Weißrussland abwanderte, stellte sich sein Bruder „Karl" als deutlich weniger wanderfreudig heraus. Nach einem ca. 3 wöchigen Ausflug nach Brandenburg (LK Teltow-Fläming) im März letzten Jahres, blieb er in der Nähe seines Elternterritoriums bei Nochten. In der Paarungszeit Februar / März hielt er sich überwiegend im Gebiet des Milkeler Rudels auf. Eine Provokation für den ansässigen Rüden „Rolf", die dieser nicht tatenlos hinnahm. Filmaufnahmen zeigten beide Rüden mit Verletzungen, die sie sich offenbar gegenseitig bei Revierkämpfen zugezogen haben. Das Milkeler Rudel hatte im Vorjahr zusätzlich zu seinem aus 2008 bekannten Gebiet auch das Territorium des Neustädter Rudels übernommen. Offensichtlich musste es nun den nördlichsten Teil dieses großen Gebietes an „Karl" abtreten.
„Karl" wird von einer jungen Fähe begleitet. Sein räumliches Verhalten liefert momentan jedoch keinen Anhaltspunkt, dass er Welpen aufzieht. Möglicher Weise ist seine Gefährtin, eine Tochter aus einem der umliegenden Rudel, die erst im nächsten Winter geschlechtsreif wird.
Nach den drei Rüden des Vorjahres, wurden im April 2010 von den Wissenschaftlerinnen des Wildbiologischen Büro LUPUS im Rahmen des BfN-Projektes drei Wölfinnen besendert: die Fähe des Nochtener Rudels, eine ihrer einjährigen Töchter (Lisa) sowie eine ebenfalls einjährige Fähe aus dem Seenlandrudel (Mona).
Die Nochtener Fähe zieht seit Anfang Mai Welpen auf und verbringt die meiste Zeit in unmittelbarer Nähe ihres Nachwuchses. Ihre Tochter „Lisa" interessiert sich bisher wenig für ihre jüngeren Geschwister, lebt eher ein „Teenagerleben" im Territorium ihrer Eltern.
Die gleichaltrige „Mona" zeigt dagegen deutliches Interesse am Nachwuchs ihrer Mutter, der Seenland-Wölfin. Die Daten von „Mona" zeigen, dass die junge Fähe immer wieder denselben Ort aufsucht, für die Biologinnen ein Zeichen, das sich dort die Welpen des Rudels befinden.
Im Laufe des nächsten Jahres werden die besenderten Jungwölfe „Mona" und „Lisa" immer selbstständiger werden. Mit zwei bis drei Jahren sollten sie versuchen, eine eigene Familie zu gründen. Ob sie dann in der Lausitz in einem noch nicht besetzten Gebiet ein neues Rudel gründen, oder sich als ähnlich wanderfreudig entpuppen wie „Alan", wird von den Wissenschaftlerinnen mit Spannung erwartet.
Wölfe leben in Familien, bestehend aus Eltern und ihrem Nachwuchs. Anfang Mai werden die Wolfswelpen geboren. In der frühen Phase der Welpenaufzucht sorgt der Rüde sowohl für den Nachwuchs als auch für die Fähe. Später tragen beide Elterntiere den Welpen Futter zu, solange bis diese groß genug sind, ihnen über weitere Strecken zu folgen. Die Jährlinge (ein Jahr ältere Geschwister) können bei der Welpenaufzucht helfen, als Babysitter oder indem sie den Jungtieren Futter zutragen. Die meisten Jungwölfe wandern im Alter von ein bis zwei Jahren aus den Rudelterritorien der Elterntiere ab und versuchen einen Paarungspartner zu finden, mit dem sie in einem geeigneten Territorium ein eigenes Rudel gründen können.
Presseinformation 08.06.2010
In Sachsen bisher keine Verluste von Rindern durch WölfeAnfang Mai wurde in Süd-Brandenburg im Revier des Welzower Wolfsrudels ein neugeborenes Kalb tot aufgefunden. Laut Landeslabor Berlin Brandenburg ergab die Sektion, dass Wölfe als Verursacher nicht ausgeschlossen werden können.
Insgesamt meldete die betroffene Agrargenossenschaft einen Verlust von 4 Kälbern, zwei davon wurden allerdings nicht gefunden und konnten daher nicht untersucht werden.
Die beiden anderen wurden außerhalb der Koppel aufgefunden. Unklar blieb ob sie sich bereits außerhalb der Koppel befanden oder in der Koppel getötet und anschließend herausgezogen wurden.
In Sachsen ist seit dem 10-jährigen Vorkommen von Wölfen noch kein Schaden an Rinderherden durch Wölfe vorgekommen. Die bisherigen Erfahrungen auch aus anderen Ländern zeigen, dass Kälber, die sich in der Herde befinden, durch die Wehrhaftigkeit der erwachsenen Rinder gut geschützt sind. Verluste an Rinderkälbern treten daher grundsätzlich selten auf. Rinderkoppeln sollten allerdings so aufgebaut sein, dass Kälber die Umzäunung nicht verlassen können.
Die Meldung über das gerissene Kalb in Süd-Brandenburg löste auch bei sächsischen Rinderhaltern erhebliche Sorge aus. Seit dem 20.05.10 wurden an das Wolfsmanagement in Sachsen vier tote Kälber gemeldet, bei denen die Halter Wölfe als Todesursache vermuteten. Bei allen stellte sich bei der umfassenden Begutachtung vor Ort heraus, dass sie nicht von Wölfen getötet worden waren. Anders als das Kalb in Süd-Brandenburg wiesen sie keinerlei Bissverletzungen auf, sondern waren ohne Fremdeinwirkung während oder kurz nach der Geburt gestorben.
Quelle: Kontaktbüro Wolfregion Lausitz, Fotos: Wolfgang Stürzbecher
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