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Die neue Tausend Tölen Serie
Mit dieser vierwöchigen Doku wird die Ankunft des kleinen griechischen Hundes, Margot, in ein neues Leben in Deutschland mit Berichten und Videos erzählt. Ein Hund, der keine Umweltreize, keine Nähe zu Menschen, keine Zuwendung, kein zu Hause kennt. Die Hundetrainerin, Maike Maja Nowak, die hier jeden Montag von einem ihrer Hausbesuche berichtet, gab bereits der ängstlichen Frieda aus Griechenland vor acht Monaten ein zu Hause. Frieda arbeitet inzwischen als Therapiehund. Auch ihren Hund, Viktor, der durch sein 10-jähriges Leben auf einem Marzahner Balkon eine umfassende Verhaltensstörung davon trug, heilte sie noch im Alter von 11 Jahren. Viktor lebt heute ein ganz normales Leben.
Hunde in Griechenland haben in etwa den Stellenwert von Ratten. Sie haben keinerlei Würde, bekommen keine Liebe, werden oft nicht einmal angefasst, aus Angst und Unwissenheit. Kurz um: Sie werden geduldet, solange sie irgendwie dienlich sind! Als Arbeitsgerät oder Alarmanlage. Sind sie krank, oder ist man ihnen überdrüssig, werden sie "entsorgt": vergiftet, erschlagen, aufgehängt, bei lebendigem Leib vergraben, erschossen, ausgesetzt und/oder gequält. (Susanne Löttgen)
1. Vorfreude
Frieda trauert. Sie hat ihren besten Freund, Max, verloren. Sie liegt täglich vor der Terrassentür und wartet. Mitunter seufzt sie, steht auf und fordert mich zum Spiel auf. Ich gebe mein Bestes, genauso toll in ihre dicke Fellhalskrause zu beißen, wie Max, unser Nachbarshund, das stundenlang tat. Ich habe Haare im Mund, imitiere Max Schnaufgeräusche, egal. Frieda blickt mich nachsichtig an und seufzt. Ich bin kein guter Hund. Ich weiß. Mit Menschen spielt Frieda nicht, mit Bällen nicht, mit Stofftieren nur bis die Augen abgerissen und ausgespuckt sind und mit Quietschtieren schon gar nicht. Wir haben alles ausprobiert. Frieda braucht wieder einen hündischen Freund.
Mir wird ganz anders. Mit meinen Hunden Frieda und Viktor ist alles schön. Wir sind ein eingespieltes Team. Wir kennen uns und verstehen uns blind, was in Viktors Fall auch nötig ist, denn er sieht mit seinen 17 Jahren nichts mehr. Hören kann er auch nicht. Max war ein Glücksfall für die junge Frieda, die sehr gern mit einem sanften Hund spielt und kuschelt.
Ich denke alle Lebenssituationen mit drei Hunden durch:
Früh aufwachen, nur zwei Hände zum Streicheln, Raubtierfütterung, alle fertig machen zum Gassigehen, draußen auf den taubblinden Viktor warten, der gern stundenlang die Hundezeitung an Bäumen liest, Frieda im Blick haben, die bereits weit weg vor uns ganz anderes erkundet, uns jedoch immer im Auge behält und dann einen dritten Hund, der unseren Rhythmus, unsere Struktur erst erlernen muss. Drei Geschäfte weg machen. Drei Hobbys erfüllen. Viktor will schnüffeln und suchen, Frieda will unbedingt Denkaufgaben und Tricks und der dritte Hund hat sicher auch eigene Vorstellungen. Einen Urlaubsplatz mit drei Hunden finden. Einen Menschen finden, der drei Hunde versorgen kann, wenn ich auf eine Vortragsreise oder sonstiges fahre. Sicher habe ich noch wichtige Sachen vergessen.
Dennoch gehe ich einmal nur zum Schauen auf die Seite der Rheinländischen Tierschützer: /http://www.tiere-in-not-griechenland.de/1.html , auf der ich auch Frieda vor acht Monaten fand.
Schauen verpflichtet ja zu nichts.
Ich schaue bei den Welpen, denn Frieda liebt Welpen. Natürlich sind alle süß. Aber ich schaue ja nur. Dann weiter bei den kleinen Hündinnen und bei den kleinen Rüden. Frieda liebt kleine Hunde. Toll, denke ich. Du hast nur geschaut und bist nicht weich geworden. Da kann ich ja auch noch bei den „Notfellchen" schauen. Alles arme Fellnasen, aber man kann nicht immer helfen. Nur wenn das Herz spricht. Dann muss man.
Ich habe wirklich alle Hunde, die in Frage kommen, gesehen und bin beim letzten Hund bei den Notfellchen, ganz unten. Was soll ich sagen, alles dahin. Ich schaue mir nach dem Text und dem Foto noch ein kleines Video an, in der Hoffnung, das Gefühl möge wieder weggehen. Aber es ist schon zu spät. Es ist irgendetwas passiert, was immer passiert, wenn wir jemanden auswählen, um ihn zu lieben.
(Steckbrief im Internet)
Name : Margot
Alter : geb. ca September 07, ca 30 cm, kastriert
zur Zeit noch in Griechenland/Karditsa
„Margot ist ein absoluter Engel...das liebste Mädchen auf Erden, dazu noch sooo fröhlich;-) Letzten Oktober hat Evi sie auf einer Müllhalde gefunden! Sie sah schrecklich aus...
Leider hat sie eine Autoimmunkrankheit (Lupus) welche ihre Augen und die Nase betrifft, immer wieder entzündeten sie sich...nun, nach vielen Tests in Athen bekamen wir das Ergebnis. Margot wird jetzt mit Cortison behandelt und wir hoffen dass sie nun bald noch hübscher wird;-) Allerdings können wir nicht garantieren dass dies ganz ausheilen wird...Dennoch- dieses Mädchen ist einfach der absolute Traumhund - der 6er im Lotto;-) Wir hoffen sie bekommt ihre Chance eines Tages..."
Ich habe mich entschieden und trotzdem schlaflose Nächte. Von Viktors Taubblindheit abgesehen, habe ich zwei völlig gesunde Hunde. Sie machen mir weder große Kosten, noch große Mühen. Ich habe (eine wunderbare) Arbeit. Mir geht es gut. Ich denke, ich kann einem Wesen, dem es nicht so gut geht, etwas geben.
Ich habe dennoch auch Muffensausen. Ich bin ein verantwortungsvoller Mensch. Steinbock, Sie verstehen. Ich kann keine halben Sachen machen.
Ich weiß, was auf mich zu kommt. Ich habe es erst vor 8 Monaten mit Frieda erlebt. Ein Hund, der panisch auf Umweltreize reagiert, nicht stubenrein ist, dafür aber schon eine Erwachsenenblase besitzt, ein Hund, der alles richtig machen will, aber aus Angst, etwas falsch zu machen, Angst hat. Ich weiß, was auf mich zukommt und ich weiß vieles noch nicht, da ich Margot noch nicht kenne.
Gestern habe ich mein Schlafzimmer umgeräumt. Die Kunstfertigkeit bestand darin, den Raum wie ein menschliches Schlafzimmer aussehen zu lassen und nicht wie eine Jugendherberge für Hunde. Es ist gelungen. Margots neues Hundesofa wartet. Nun ist es entschieden. Durch dick und dünn.
Am Sonntag nach dem letzten Kurs in meiner Hundeschule fahre ich nach Duisburg und hole Margot ab. Sie kommt pünktlich zum Nicolaus aus Griechenland an. Nun habe ich schlaflose Nächte aus Vorfreude.
Maike Maja Nowak
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