Die Geschichte der griechischen Hündin Margot in Deutschland
Mit dieser vierwöchigen Doku wird die Ankunft des kleinen griechischen Hundes, Margot, in ein neues Leben in Deutschland mit Berichten und Videos erzählt. Ein Hund, der keine Umweltreize, keine Nähe zu Menschen, keine Zuwendung, kein zu Hause kennt. Die Hundetrainerin, Maike Maja Nowak, die hier jeden Montag von einem ihrer Hausbesuche berichtet, gab bereits der ängstlichen Frieda aus Griechenland vor acht Monaten ein zu Hause.

Lesen Sie heute den dritten Teil:

Freitag 11.11.- Montag, 14.11.

Als die Mutter einer Freundin hörte, dass Margot in Griechenland halbtot auf einer Müllkippe gefunden wurde und später die Autoimmunkrankheit, Lupus, bekam, fragte sie verwundert, warum man so ein Tier denn nicht einschläfert.
Meine Freundin war darüber sehr empört und mich erstaunte selbst, wie ruhig ich blieb und wie wenig mich so eine Aussage überraschte.
Vielleicht, weil ich inzwischen mehrfach am Tag diese Frage in den Gesichtern von Menschen lese, die sich nach Margot auf der Straße erkundigen. „Was hat sie denn an den Augen? Was an der Nase?"

Nach meiner Erklärung ist kein Mitgefühl spürbar, wie damals bei Viktor, der alle Angststörungen auf einmal besaß, oder wie bei Frieda, die auch sehr ängstlich war.
Vielleicht brauchen die Menschen Hoffnung auf ein Happy End.
Eine Krankheit, die nicht heilbar ist, löst oft Ablehnung aus.

Ich weiß noch, was ich dachte, als ich von Margots Krankheit las. „Sie hat die Krankheit auf jeden Fall. Es ist nur die Frage, ob sie sie weiter unter so schlechten Bedingungen hat, oder unter guten Bedingungen und mit ärztlicher Unterstützung."
Ich habe wirklich schon sehr viel schlimmere Schicksalsschläge erlebt, als einen kleinen, inzwischen sehr munteren Hund, der unglaublich lebensfroh die Welt erkundet, den seine Krankheit am allerwenigsten stört und der täglich ein wenig Behandlung braucht.

Wenn man erlebt, wie katapultartig Margot auf alle Dinge zuschießt, die ein wenig Erfreuung versprechen, kann man sich gar nicht die Frage stellen, ob es gut ist, dass sie lebt.
In diesem kleinen Hund bündeln sich so viele Kräfte. Angefangen von Evi aus Griechenland, die sie rettete. die griechische Hündin Margot wurde auf einer Müllhalde gefunden



Weiter über die Gruppe deutscher Tierschützer/innen von „Tiere in Not in Griechenland e.V.", die Evi`s Arbeit finanzieren und in jeder Hinsicht umfangreich unterstützen. Weiter über viele ärztliche Untersuchungen in Griechenland, die ein Jahr lang währten, als Margot`s Krankheit sieben Monate nach ihrem Auffinden ausbrach. Weiter über Margots Löwenherz, die das Zusammenleben mit 140, geretteten, fast nur großen Hunden, auf engem Raum als sehr kleiner Hund überleben musste, die ihre Krankheit aushielt und sich beibrachte, wie ein Erdmännchen zu tanzen, wenn ein Mensch auftauchte, um kurz ein wenig Zuneigung zu ergattern.
Margot, die die lange Reise von Griechenland nach Duisburg und von Duisburg nach Berlin machte, von der sie völlig entkräftet und krank hier ankam.
Die dennoch innerhalb einer Woche stubenrein wurde, obwohl sie eine Stube nicht kennt, die toll an der Leine läuft, ohne das jemals getan zu haben, die bei jedem Wimpernschlag, den man ihr widmet, vor Begeisterung hüpft, kreiselt und tanzt.
Die selig, mit ihrem winzigen Stummelschwanz wedelnd, auf dem Rücken liegt und sich an mich drückt, wenn sie das Bett vor dem Schlafen zum Kuscheln mit mir teilen darf. Die sonst brav auf ihrem Platz liegt und in einer Woche gelernt hat, mir nicht überall hin zu folgen, sondern etwas zur Ruhe zu kommen.
So viel Kraft und Wollen, - was für eine Frage, ob sie leben muss.
Margot hat keine menschlichen Ängste, keine Gedanken darüber, was aus ihr und ihrer Krankheit wird. Margot lebt im Hier und Jetzt. Hier beginnt gerade ein würdevolles Leben, für das sie ÜBERlebt hat.

Auch die Symptome ihres Krankheitsbildes haben sich bereits nach einer Woche extrem verbessert. Während ihre Haut auf Nasenwurzel und Nase poröse Blasen schlug, als sie hier eintraf und besonders ihr rechtes Auge eine schwere Entzündung und ein Ödem am Lid hatte, sind die Blasen gänzlich verschwunden, die knallrote Haut auf der Nase ist blassrosa geworden, das Ödem ist weg und die Augenentzündung wird täglich besser.
Vielleicht wird es doch ein Happy End, mögen Sie jetzt denken?
Vielleicht.
Margot auf dem Weg der Besserung

Aber geht es immer um ein Happy End? Ist es nicht viel wichtiger, was für Momente man im Leben erlebt?

Heute, das erste Mal in Arkenberge im Wald. Die kleine Margot lief ohne Leine mit Frieda, Viktor und mir im Rudel. Das war ein starkes Verbundenheitsgefühl. Offenbar rannte sie das erste Mal in ihrem Leben. Ich animierte sie mit hellen Lauten und indem ich selbst etwas rannte. Zack, wuselte sie mit ihren kurzen Beinchen wie ein Flummy los. Wenn ihr Stummelschwänzchen wedelt, wedelt auch der ganze kleine Hintern mit. Sie raste also, Hintern wackelnd, zehn Meter nach vorn, wendete und kam grinsend zurück gerannt. Auch Frieda und Viktor ließen sich anstecken und so rannten wir gemeinsam durch den Wald.
Zwischendurch gab es „Überraschungs-Sitze", was ich gern mitten in der Freude auch als Freude mache. Tumbes Exerzieren ist mir ein Greuel.
Sie können mal ausprobieren, mit Ihrem Hund zu rennen, dabei fröhliche helle Laute ausstoßen, plötzlich anzuhalten und beschwingt „Sitz" zu rufen, so als ob es etwas in der Tombola zu gewinnen gäbe. Zack, sitzt der Hund und wedelt. Und Sie loben natürlich. Sie sind die Tombola. Ihre Begeisterung begeistert mehr als jedes Leckerli. Der Hund wartet dann förmlich auf den nächsten Sprintstart und das nächste Überraschungs-Sitz.
Auch im nötigen Ernstfall klappt diese Sache dann ganz wunderbar, weil sie positiv konditioniert wurde.

Gestern Abend setzte Margot das „Erdmännchen" zum ersten Mal nicht als Tick und Übersprung ein, sondern als faustdicke, freche Charmeattacke, weil sie ohne Anfrage mein Bett in Beschlag genommen hatte und ich sie dabei erwischte.
Kann ganz toll Erdmännchen machen

Frieda schöpft jeden Tag neue Hoffnung, dass Margot nun endlich bereit ist, mit ihr zu spielen, aber im Moment will diese einfach nur kuscheln. Also kuschelt die gutmütige, sanfte Frieda und übt sich in Geduld.
verstehen sich gut: Margot und Frieda

Momente, die für mich schöner, überraschender und täglich vielfältiger sind, als ein Happy End.