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Welpennothilfe
Auf dem Weg in ein neues LebenFotos: Slominski/Hauer/Lessing
Über Joschis Schnauze zieht sich eine dünne, weiße Linie. Sie sieht aus wie ein Schmiss, ist aber das Resultat einer Verletzung, die ihm kurz nach seiner Geburt zugefügt wurde. Jetzt ist Joschi ein sieben Monate alter Clown, der seinem Pflege-Frauchen viel Freude bereitet. Aber nicht mehr lange. In den nächsten Tagen bekommt der muntere Dackelmix ein neues Zuhause.
„Ich weiß, bei mir werden die Tränen fließen", sagt Sigrid Lessing, 53, aus Neukölln und drückt den Kleinen an ihr Herz. „Aber ich weiß auch, dass woanders schon ein anderer Welpe wartet, der wie Joschi eine Chance verdient und die möchte ich ihm geben."
Sigrid Lessing ist eine von 30 Pflegestellen, die für die Welpennothilfe arbeiten. Der Verein wurde 2006 gegründet und ist in seiner Art einzigartig in Deutschland. 130 elternlose, zum Teil auf der Straße gefundene Welpen werden jedes Jahr von dieser gemeinnützigen Organisation vermittelt. Jede Pflegestelle hat einen Paten, der sie in ihrer aufopfernden Arbeit mit den hilfsbedürftigen Tieren unterstützt und bei auftretenden Problemen Hilfestellung leistet.
„Joschi ist mein erster Pflegehund, aber es wird nicht der letzte sein. Als Hausfrau habe ich genügend Zeit, Welpen großzuziehen, sie stubenrein zu machen und zu sozialisieren."
Als Sigrid Joschi zu sich nahm, war Joschi ein Häufchen Elend. Die Vorbesitzer hatten ihn im Klinikum Düppel mit Verdacht auf Parvovirose abgeliefert und nach der Behandlung nicht mehr abgeholt. Zufällig war gerade die Chefin der Welpennothilfe, Claudia Hauer, 39, vor Ort und nahm den Dackelmix an sich.
„Der Welpe hatte keinen Lebenswillen mehr, hatte tagelang nicht gefressen und getrunken. Im Tierheim hätte der nicht zwei Tage überlebt. Ich wusste, nur mit viel Liebe und Aufwand konnte Joschi gerettet werden."
Claudia rief bei Sigrid an und diese holte den Hund aus der Klinik ab. Sie wickelte ihn in eine Decke und wich tagelang nicht von seiner Seite. Jede Stunde träufelte sie Wasser mit einer Spritze Wasser in sein Mäulchen und fütterte ihn mit Baby-Brei.
„Meine Hündin Fritzi hat mir dabei geholfen, ihn aufzupäppeln. Nach zwei Wochen zeigte Joschi wieder Freude am Leben."
Die Arztkosten für Entwurmungen, Impfungen und den Chip übernahm die Welpennothilfe, sie hätte sogar noch das Futter gestellt, aber das wollte Sigrid lieber selber machen. Sie schreibt für die Website der Welpennothilfe ein Tagebuch, das ist Teil ihrer Aufgabe, denn über die Website werden die Welpen vorgestellt und vermittelt.
Claudia Hauer: „Bevor ein Interessierter den Hund überhaupt zu Gesicht bekommt, muss er einen Fragebogen ausfüllen, der schon viele abschreckt, weil er sehr ausführlich ist. Wir achten darauf, dass die jungen Hunde in gute Hände kommen."
Nach mehreren Gesprächen können die Adoptionseltern den Hund „beschnuppern". Die Mitarbeiter der Welpennothilfe prüfen anschließend die häusliche Umgebung. Erst wenn alles ok ist, wird der Welpe vermittelt - für eine Schutzgebühr von 200 Euro. Bei Rassehunden sind es 300 Euro.
Claudia Hauer: „Unsere Hunde werden nur dann abgegeben, wenn sie völlig sozialisiert sind und kein Problemverhalten zu erkennen ist. Deswegen kann es in schwierigen Fällen auch bis zu acht Monate dauern, bis ein Hund seine Pflegestelle verlässt."
Eine weitere Kontrolle nach der Vermittlung ist selbstverständlich.
Sigrid Lessing ist schon ganz aufgeregt auf das erste Treffen mit Joschis neuem Herrchen. Aber in erster Linie ist sie glücklich, dass Joschi überhaupt überlebt hat und jetzt mit den anderen Hunden im Grunewald herumtoben kann.
„Ich drücke ihm die Pfoten, dass er sich in seinem neuen Zuhause wohl fühlt."
Auch Claudia Hauer ist froh über jeden Welpen, der vermittelt wird. Erst letzte Woche konnte sie wieder vier Tiere in eine hoffnungsvolle Zukunft entlassen. Doch es gibt auch immer wieder Rückschläge in ihrer Arbeit. So musste der Verein vor kurzem die Welpenklappe in Falkensee schließen.
„Die Leute haben das als billige Entsorgungsstation missbraucht. Fast jeden Tag lagen dort totkranke Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen. Die Tierarztkosten hätten unseren Verein in die Insolvenz getrieben."
Aber die Tierschützerin und Hundetrainerin lässt sich durch solche negativen Erfahrungen nicht von ihrem Engagement abringen:
„Das Schönste ist, in die strahlenden Augen eines jungen Hundes und dessen Halter zu schauen, wenn man ihn nach Monaten der Vermittlung wieder trifft und feststellt, dass beide zu einander passen und glücklich miteinander sind." 
Mehr Infos unter www.welpennothilfe.de
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