Der beliebte TV-Tierarzt Dr. Rolf Spangenberg präsentiert exklusiv auf Tausend Tölen die neue Serie "Hundewissen für Rudelführer". Die spannensten Kapitel aus seinem gleichnamigen Buch.

( Leinpfad Verlag, 96 Seiten, ISBN 978-3-937782-66-9, jetzt nur: 4,95 € www.leinpfad-verlag.de

2. Freunde fürs Leben

So muss e sein: Der Hund steht an letzter Stelle der Rangordnung


Das Wesen einer einzigartigen Bindung

Viele Menschen meinen aus voller Überzeugung, dass sie mit Tieren befreundet sind. Zahlreiche Reiter haben ein sehr enges Verhältnis zu ihrem Sportkameraden Pferd. Es wird gut gehalten und vernünftig geritten. Das Ross kommt ihnen im Idealfall freudig wiehernd entgegen, wenn ein Ausritt ansteht. Im Sport entwickelt es eine besondere Form von Ehrgeiz und scheint regelrecht stolz zu sein, wenn irgendein Wettbewerb ehrenvoll absolviert wurde. Das zeugt von einer engen Bindung, ist aber gewiss keine Freundschaft im engeren Sinne. Allein der Mensch entscheidet nämlich, was getan oder unterlassen wird - sein Pferd hat kein Mitspracherecht. Nur er bestimmt, wann eine sportliche Höchstleistung ansteht oder ein entspannender Ausritt. Es sieht in ihm im Idealfall eine Art Herdenführer, doch wohl kaum einen Freund.

Der Hund jedoch steht treu zu seinem Menschen. Das ist für ihn überhaupt keine Frage, schließlich gehört er zu diesem Rudel. Ihn verbindet eben eine echte Freundschaft mit den Menschen, die er nicht aufkündigt, auch wenn der Magen knurrt.
Diese Freundschaft zum Menschen ist wunderbar, man wird sie im ganzen Tierreich kein zweites Mal finden und dafür gibt es schlüssige Erklärungen. Der Hund ist, wie sein Ahnherr Wolf, ein Rudeltier. Er ist es also gewöhnt, in einer Gruppe mit strengem hierarchischem Aufbau zu leben. Genauer, er braucht das, um sich wohlzufühlen. Zu seinem Wohlbefinden gehört aber auch, das er seine Stelle in der Rangordnung genau kennt. Wenn nicht, wird er dauernd darum kämpfen, sie zu verbessern.
Im menschlichen Rudel, der Familie, muss er eindeutig an letzter Stelle stehen!
Darauf kommen wir noch zurück! Ist ihm seine hierarchische Stellung nicht klar, so wird er das ihm anscheinend unterstellte Menschenwesen ohne böse Absichten ständig mit Knurren und sogar Beißen in seine Schranken weisen!

Tipp
Um festzustellen, wen der Hund als seinen Rudelführer betrachtet, machen Sie bitte folgenden Versuch: Sie gehen mit dem Hund in eine ihm unbekannte Gegend, vielleicht einen Wald. Dort wird er von einer neutralen Person festgehalten, während die Familienmitglieder sich strahlenförmig zerstreuen. Dann lässt man ihn los. Er wird nach einer kurzen Suchphase zielgerichtet auf den Menschen zulaufen, dem er besonders vertraut und bei dem er Schutz sucht. Das ist sein Rudelführer!

Bitte nicht böse werden, wenn er nicht Sie persönlich ausgewählt hat. (Nach sorgfältigem Studium dieses Buches können Sie übrigens Ihre Einstufung verbessern.)
Beim Menschen kommt neben der Freundschaft nicht selten ein Gefühl dazu, das wir als Liebe bezeichnen. Sehr problematisch! Wenn der Hund zärtlich auf dem Arm getragen wird, man ihn nur mit Leckerbissen füttert, mit wohlduftendem Parfüm einstäubt, dann mag das eine menschliche Liebesbezeugung sein. Auf keinen Fall wird damit aber die artgerechte Hundehaltung ersetzt.
Es kann zu schlimmen Verirrungen führen, wenn man bei der Tierhaltung Fachkenntnisse durch Liebe ersetzen will. Der nur mit Leckerbissen gefütterte Wellensittich, der allein in seinem viel zu kleinen Käfig sitzt, wird vielleicht innig geliebt - wohl fühlt er sich trotzdem nicht. Auch der Hund will nicht unbedingt geliebt, sondern eher artgerecht gehalten und geachtet werden!
Das Hundeglück besteht darin, möglich oft und möglichst eng mit seinen Menschen zusammen zu sein. Deshalb sind dies die Glücklichsten: Hunde von Wohnsitzlosen, Diensthunde der Polizei und beim Zoll, auch Hunde von vernünftigen Jägern!