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Eine schwere Entscheidung
Kastration beim Hund - Ja oder nein?Fotos: Marilla Slominski/Sönke Tollkühn
Jeder Hundehalter steht eines Tages vor der Entscheidung, seinen Rüden oder seine Hündin kastrieren bzw. sterilisieren zu lassen. Früher wollten Halter und Tierschutzvereine damit eine unkontrollierte Vermehrung verhindern, doch in letzter Zeit wird dieser chirurgische Eingriff immer häufiger benutzt, um unerwünschtes Verhalten zu unterbinden.
Petra Michalke vom Anubys Hundeverhaltenszentrum: „Bei Rüden kann durch die Kastration nur Hypersexualität, extremes Aufreiten, besonders nach Eintritt der Geschlechtsreife, das Streunen auf der Suche nach heißen Hündinnen und Rangordnungsstreitigkeiten zwischen zusammen lebenden Rüden verhindert werden. Beim weiblichen Geschlecht wird extremes Aggressionsverhalten während und nach der Läufigkeit und ausgeprägte Depressionen während der Scheinschwangerschaft ausgeschaltet."
Ein großer Irrtum ist, dass durch diese OP sich der Jagdtrieb verringert, Dominanzprobleme aus der Hundewelt geschaffen werden, territoriale Aggression gedämpft oder die Stubenreinheit verbessert wird. Bei unsicheren Hunden kann sich nach diesem Eingriff die Angstaggression sogar noch verstärken.
Petra Michalke: „Bei Hündinnen reicht auch eine Sterilisation. Wenn man nichts dagegen hat, dass außer der Unfruchtbarkeit alles beim Alten bleibt. Die Hündinnen behalten ihre Läufigkeitssymptome und bleiben von daher für Rüden weiterhin interessant. Auch der Monatszyklus mit den damit verbundenen Blutungen setzt nicht aus."
Viele Halter entscheiden sich lieber für eine Kastration bei Hündinnen. Die OP soll zusätzlich die Entstehung von Gesäugetumoren verhindern. Dazu müssen aber spätestens nach der ersten Läufigkeit die Eierstöcke, manchmal auch die Gebärmutter entfernt werden. Da die Hündin sich aber zu diesem Zeitpunkt noch in der Persönlichkeitsentwicklung befindet, treten häufig unerwünschte Verhaltensänderungen auf. Die Hündin kann unsicher gegenüber Artgenossen und Menschen verhalten. Und ihr wird die Möglichkeit genommen, erwachsen zu werden.
Tierarzt Elena Becker: „Bei beiden Methoden wird die Bauchhöhle der Hündin geöffnet, um die Organe zu entnehmen. Das ist ein schwerer Eingriff und mit mehr Risiken, z.B. Infektionen behaftet, als die OP bei Rüden. Bei diesen ist die Bauchhöhlenöffnung nicht nötig, da sich die Hoden, die bei der Kastration entfernt werden, außerhalb befinden."
Der Eingriff unter Vollnarkose kann bis zu zwei Stunden dauern. Die Tiere werden danach wegen der Schmerzen medikamentös behandelt. Man sollte sie unter Beobachtung halten. Damit sie nicht an ihren Wunden lecken oder sie aufbeißen können, sollte eine Halskrause angelegt werden. Es reicht aber auch ein altes T-Shirt, das man ihnen überzieht und hinten zusammenbindet.
Petra Michalke: „Die Kastration hat Auswirkungen auf den Stoffwechsel, ca. 20 Prozent der Tiere werden ruhiger. Eine daraus resultierende Fettleibigkeit kann durch Diätfutter und viel Auslauf verhindert werden. Wer durch eine OP aber einen Schoßhund herbei zaubern will, sollte sich lieber ein Stofftier kaufen."

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