Diese Kinder haben keine Angst mehr vor den HundenMutti, Mutti, er hat überhaupt nicht gebissen!

Unterwegs mit den „Helfern auf vier Pfoten"


Text: Thomas Böhm/ Fotos: Marilla Slominski

Ganz vorsichtig zieht der vierjährige Berk der großen schwarzen Hündin an den Ohren und zupft ihr am dicken Fell. Die Howard-Mix-Dame Gipsy rührt sich nicht, Berk klatscht in die Hände und strahlt: „Guckt mal, die tut gar nichts. Die ist ja ganz lieb!". Die anderen Steppkes in der Bärengruppe des Kreuzberger Kindergartens „Komsu" jubeln und rutschen immer dichter an die sechsjährige Hündin heran.Die Hundeführerin zeigt den Kindern, wie man mit einem Vierbeiner umgeht„Das wäre vor zwei Monaten noch unmöglich gewesen", freut sich Erzieherin Nevin, 30. „Jetzt hat keiner mehr in meiner Gruppe Angst vor Hunden."
Seit knapp vier Wochen sorgt Melanie Freitag, 28, mit ihrer französischen Bulldogge Hansi hier in der Bärengruppe für Spaß und Spannung. Heute hat sie zur Verstärkung ihre Kollegin Barbara Meyer, 69 und Gipsy mit dabei. Die beiden Mensch-Tier-Teams arbeiten im Verein „Helfer auf vier Pfoten", der 2002 in Berlin gegründet wurde. Allein im letzten Jahr 3 betreuten Melanie und Barbara gemeinsam mit vier weiteren Helfern drei Kindergruppen und 20 Schulklassen. Zurzeit besuchen sie zwei Schulen und einen Kindergarten, fünf Einrichtungen stehen auf der Warteliste. Einmal die Woche kommen die vier- und zweibeinigen Helfer für eine Stunde in der Kreuzberger Kita vorbei und bringen den Kindern den richtigen Umgang mit den Vierbeinern bei. Nach vier Wochen ist der „Grundkurs" beendet, bei Bedarf kann er aber von Seiten der Kita verlängert werden.
Barbara Meyer: „Es macht Spaß, mit anzusehen, wie die Kleinen ihre Scheu und Vorurteile gegenüber dem Hund verlieren und sogar Respekt zu entwickeln."
Die ehrenamtlichen arbeiten nach den „12 Regeln im Umgang mit Hunden", die der Sponsor Royal Canin entwickelt hat:
1. Behandle einen Hund so, wie du selbst behandelt werden möchtest
2. Ein Hund kann noch so lieb aussehen - geh nur zu ihm, wenn sein Besitzer es erlaubt hat.
3. Vermeide alles, was ein Hund als Bedrohung auffassen könnte
4. Schau einem Hund nicht starr in die Augen
5. Komm nicht in Schwanznähe, versuch nicht, daran zu ziehen, und tritt nicht darauf
6. Stör keinen Hund beim Fressen. Versuch nie, ihm sein Futter wegzunehmen
7. Wenn du mit einem Hund spielst, achte darauf, den Zähnen nicht zu nahe zu kommen
8. Versuch nie, raufende Hunde zu trennen
9. Egal, ob du Angst hast oder nicht. Lauf nie vor einem Hund davon
10. Du hast zwei Hände. Der Hund hat nur seine Zähne, um etwas festzuhalten
11. Wenn du mit einem Hund spielst, achte immer darauf, dass ein Erwachsener in der Nähe ist
12. Kein Hund ist wie der andere

Gipsy lässt sich nicht aus der Ruhe bringenBarbara Meyer: „Durch uns lernen viele der Kinder einen Hund überhaupt erst mal aus der Nähe kennen. Wir zeigen ihnen die Körpersprache der Tiere, so können Missverständnisse vermieden werden. Das wird alles spielerisch erlernt."
Während Gibsy von zwei Mädchen vorsichtig mit Leckerlis gefüttert wird, liegt Hansi flach auf dem Boden und lässt sich von kleinen Fingern genau untersuchen. Melanie Freitag zählt mit den Kindern die Krallen nach. Die französische Bulldogge brummt vor Wonne.
„Der hat richtig Freude an der Arbeit. Ist immer schon ganz aufgeregt, wenn es in den Kindergarten geht."
Die Besuchshunde sind aber nicht nur alle kinderlieb. Sie haben die Begleithundeprüfung bestanden und wurden für die verantwortungsvolle Aufgabe noch extra getestet. Der Eignungstest wurde an der FU entwickelt.
Barbara Meyer: „Der Hund muss bei einem hohen Geräuschpegel ruhig bleiben, er sollte ausgeglichen sein und eine hohe Reizschwelle haben. Wenn ihm ein Kind sein Lieblingsspielzeug aus dem Maul reißt, darf er damit keine Probleme haben. Das ist alles eine Charaktersache, das kann man nicht trainieren. Nur jeder dritte Hund schafft den Eignungstest."Alle lieben Hunde
Berk und seine Kumpel freuen sich schon auf nächste Woche. Wenn das Wetter mitspielt, geht es mit den Vierbeinern nach draußen.
„Dann baue ich einen Tunnel und Hansi muss da durch laufen. Das macht Laune!"
Die Helfer auf zwei Beinen und vier Pfoten müssen weiter. Eine Schulklasse in Neukölln freut sich ebenfalls schon auf ihren Besuch.
Barbara Meyer: „Wir haben viel zu tun. Die Nachfrage ist sehr groß. Wir suchen dringend Leute, die uns mit ihren Hunden unterstützen. Wem das Lachen eines Kindes als Lohn für seine Arbeit reicht, ist uns herzlich willkommen."