Mit einem Blasrohr jagt der Tierarzt den Pfeil in das Schwein reinDie Abenteuer von Schweinchen SchnitzelSchnitzels neues Zuhause ist erstmal ein Stall mit Ziegen

Es handelt sich zwar nicht um einen Hund, aber es wurde so gehalten. Deshalb erscheint auf Tausend Tölen diese "komische" Geschichte".
Zwei Jahre lang lebte der Bergsträsser Knirps mit dem leckeren Namen "Schnitzel" in der Wohnung von Veronika. Mit Pizza, Cola und Gummibärchen verwöhnte die Friseurin ihre Knutschkugel, bis sie nicht mehr durch die Tür passte. Jetzt fasste sich die Schweine-Mama ans Herz und suchte für den Dicken ein neues Zuhause. Ein Bauernhof, wo es artgerecht gehalten werden soll. Aber bis dahin war es ein langer Weg...



Mit dem Staubsauger wird das Tier aus dem Bau trieben, die Jagd beginnt. Wütend will sich der Eber auf einen seiner Angreifer stürzen, doch dann wird er hinten von einem Pfeil getroffen und niedergestreckt. Und das ist gut so, denn jetzt geht es dem Tier wieder richtig gut...Veronika nimmt Abschied vom geliebten HausfreundZwei Jahre lang war Schweinchen „Schnitzel" der Liebling von Veronika, 42, und lebte mit ihnen gemeinsam in einer Zwei-Zimmerwohnung in Steglitz. Es wurde mit Streicheleinheiten, Coca Cola, Pizza und Gummibärchen verwöhnt und immer größer und schwerer. Bis es fast nicht mehr durch die Wohnzimmertür passte. Jetzt ist Schnitzel 120 Kilo schwer und schnarcht von morgens bis abends den ganzen Wohnblock voll.
Veronika: „Uns wurde Schnitzel als Bergsträsser Knirps verkauft. Hätten wir gewusst, dass es so mächtig werden könnte, hätten wir uns und ihm das niemals angetan."
Tierarzt oder Großwildjäger? Tierarzt Jan Schneider kann allesObwohl die beiden Damen sich an die Knutschkugel gewöhnt hatten, beschloss Veronika, dem Schweineleben in der Wohnung ein Ende zu bereiten und rief den Tierarzt Jan Schneider an. Der vermittelte einen Kontakt zu Bauer Werner Mette, 44, in Buckow. Der preisgekrönte Schweinemäster war damit einverstanden, den fetten Eber zu sich und seinen anderen Schweinen auf den Hof zu nehmen. Veronika fiel ein Stein vom Herzen.
„Ich möchte doch nur, dass Schnitzel in den dreizehn Jahren, die noch vor ihm liegen, glücklich wird. Bei uns wäre das nicht mehr möglich gewesen."
Jetzt ist es soweit. Tierarzt Jan Schneider ist angerückt, bewaffnet mit einem 120 cm langen Blasrohr und jeder Menge Betäubungsmittel. Veronika hat noch drei starke Männer vom Bau organisiert, die das Schwein die 44 Stufen herunterschleppen sollen, denn freiwillig würde Schnitzel die Wohnung nicht verlassen.
Während Jan Schneider seine Pfeile mit jeweils 5 Milliliter Stressnil zur Beruhigung und Ketamin zur Betäubung belädt, grunzt Schnitzel misstrauisch aus seiner Kuschelecke den Tierarzt an - als rieche er den Braten.
Jan Schneider: „Das wird eine ganz harte Nummer. Schweine sind sehr sensibel, kreislaufempfindlich und können sich furchtbar aufregen. Es ist schwer, die genaue Dosis zu berechnen, da man das Gewicht des Tieres schätzen muss. Ist die zu gering, bleibt der Adrenalinspiegel so weit oben, dass sich keiner in die Nähe des Schweins traut. Ist sie zu hoch, hört dass Tier während des Transportes möglicherweise auf zu atmen."
Aber Jan ist Profi, holt tief Luft und der erste Pfeil landet zielgenau in der Sitzbeinmuskulatur. „Die ist besonders gut durchblutet, so kann sich das Mittel schneller in der Blutbahn verteilen". Doch erst nach dem siebten Pfeil gibt Schweinchen Schnitzel endlich auf und legt sich hin. Zu viert wird es jetzt auf eine Tagesdecke gerollt und zum Wagen geschleppt. Jan Schneider checkt noch mal Herz und Kreislauf.Vier Mann müssen das 120 Kilo Schwein die Treppen runter schleppen„Wir müssen uns beeilen, die Betäubung kann ziemlich schnell wieder nachlassen." Nach zwanzig Minuten und vier gelben Ampeln hat Schnitzel sein neues Zuhause erreicht. Bauer Mette schlägt die Hände über den Kopf, als der den Dicken sieht: „Der wird sofort auf Geschafft, Bauer Mette nimmt Veronika das Schwein abDiät gesetzt, bekommt nur noch Wasser und gequetschtes Getreide."
Veronika verabschiedet sich unter Tränen von ihrem Hausfreund. Doch den interessiert das schon nicht mehr, wird er doch schon freundlich von seinen Artgenossen begrunzt.

Text: Thomas Böhm/ Fotos: Sönke Tollkühn

Lesen Sie auch den ersten Teil von Schweinchen Schnitzels Abenteuer