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Kleine Helden


Wenn Heidi Klum sehen könnte, wie Tinka mit dem Hintern wackelt, sie würde die Umkleidekabine nie mehr verlassen. Tinka ist eine Shih-Tzu-Dame und eines der zwölf Prachtexemplare von Züchterin Sigrid Schleuß, 55, aus Grünheide.
„Es war der dicke Popo, der mich so fasziniert hat und die langen Haare. Das ist der Grund, warum ich 1987 angefangen habe, Shih-Tzus zu züchten."
Wenn es nicht zu heiß ist, toben die „ausgeflippten Flokatis" im Garten herum, baden im Planschbecken und wagen mit den zum Verwechseln ähnlich aussehenden Langhaarkatzen ein Tänzchen. Oder sie sind unterwegs zu einer Ausstellung oder Zuchtprüfung.
Sigrid: „Unsere Tätigkeit ist vom VdH streng reglementiert. Nur „vorzügliche" Hunde werden für die Zucht verwendet. Zwei Prüfer checken jeden Hund auf Herz und Nieren und vor allen Dingen aufs Aussehen. Wenn alles gut geht, bekommt er dafür ein Ahnenbuch." Dann erhalten sie so tolle Namen wie „Rosie Bee von Heydpark", oder „Jonnasen Chu Shin von Sarvaredo".
Für 600 Euro geht ein junger Shih-Tzu über den Ladentisch. Das deckt vielleicht gerade mal die Kosten für das Rudel - mindestens 200 Euro Futter im Monat. „Und wenn wir einen kleinen Wurf haben und die Tierarztkosten hoch sind, legen wir sogar noch was drauf."
Nicht immer fällt es Sigrid Schleuß leicht, die 10 Wochen alten Welpen abzugeben. „Aber die besten bleiben ja sowieso bei uns und wir freuen uns auf jedes neue Baby. Mindestens einmal im Jahr fängt das Hundeleben wieder von vorne an."
Ein Shih-Tzu-Rüde muss stark und willig sein. Bis er in Deckungsrente gehen darf, vergehen schon mal 12 Jahre, eine Hündin wird bereits mit sechs Jahren in Ruhe gelassen.
„Wir sind immer dabei, damit nichts schief läuft. Eine Hündin beißt beim Deckakt gerne um sich. Das müssen wir verhindern."
Einmal in der Woche ist für alle Kämmen angesagt. Im Alter von zehn Jahren werden sie geschoren. Als Senioren verlieren die kleinen Hunde die Lust an ihrer Haarpracht.
Sigrid ist begeistert von ihren Shih-Tzus: „Sie heißen Löwenköpfchen und haben den Mut eines Löwen. Wenn ein Fremder an der Gartenpforte steht, muss er erst guten Tag sagen, sonst verhalten sie sich wie ein Wolfsrudel und lassen ihn nicht durch."
Info:
Bereits im 7. Jahrhundert soll es die Rasse in den Klöstern Tibets gegeben haben. Die Mönche legten Wert darauf, dass der Shih-Tzu einem kleinen Löwen ähnelte, Buddha soll auch einen Hund besessen haben, der sich in einen Löwen verwandeln konnte, daher auch der Name: Das chinesische Wort Shih-Tzu bedeutet „Löwe". Ihr besonders gutes Gehör zeichnet diese Hunde aus, sie wurden zur Tempelbewachung eingesetzt, weil sie Gefahren wesentlich früher hörten als andere Hunde.
Im 17. Jahrhundert gelangte dieser Hund in das Kaiserreich China, wo er schnell zum Palastliebling wurde. Im 20. Jahrhundert verblasste das Interesse, und mit der kommunistischen Machtübernahme kam für die Zucht in China das endgültige Aus. Es fanden sich jedoch europäische und amerikanische Züchter, die die Zucht übernahmen.
Der Shih-Tzu ist ein robuster, sehr stark behaarter Hund mit „arroganter" Körperhaltung. Er wird rund 25-27 cm groß und dabei 4,5 bis 7,5 kg schwer. Sein Haar ist lang, dicht, mit reichlich Unterwolle, alle Farben sind üblich, auch mehrfarbig. Das Hängeohr hat ein langes Ohrleder und ist so dicht mit Haar bedeckt, dass es durch die ebenfalls starke Nackenbehaarung oft kaum sichtbar ist. Die Rute wird über dem Rücken getragen. Vom Charakter her ist er sehr temperamentvoll und bis ins hohe Alter verspielt.

Hundezüchterin Ursula Geipel, 56, aus Lutherstadt Wittenberg ist eine wahre „Löwchen-Bändigerin". Wenn ihre „Rasselbande" durch den Garten springt, reicht ein Schnalzen und alle stehen brav bei Fuß.
„Hauptsache sie machen nicht „Sitz", denn das sollen sie sich gar nicht erst angewöhnen. Die Preisrichter sehen dies gar nicht gern."
Löwchen gehören zu den ältesten Hunderassen Europas. Bei den feinen Damen am Hofe dienten die kleinen Zottel als Wärmflasche. Sie waren früher so klein, dass die Löwchen als Handwärmer in einen größeren Muff passten. Der hintere Teil des Löwchen ist kurz geschnitten. Das ist Tradition. Dadurch konnte man früher leichter das Ungeziefer absammeln. Das Löwchen ist eine seltene Rasse auf jeder Hundeshow.
Ursula Geipel: „Und sie haben immer gute Laune, sind lustig und intelligent bis ins hohe Alter. Der perfekte Familienhund. Löwchen sind reine Kindernarren und für Einsteiger in die Hundewelt bestens geeignet."
Ihre Eltern haben schon Vierbeiner gezüchtet, sie betreibt dieses Hobby seit ihrem 18. Lebensjahr und ihre Tochter ist auch schon dabei.
„Wir besuchen viele internationale Ausstellungen und geben unsere Welpen weltweit ab." Circa 1400 Erste Plätze hat die Züchterin im Leben schon eingeheimst. Ein Löwchen ist bei Ihr ab 500 Euro mit VDH Papieren zu haben.
Ursula: „Fast in jedem Wurf können circa ein bis zwei Welpen von besonderer Qualität sein, die sich für die Weiterzucht eignen."
Zur Zeit ist ihr „Disneyland's Upps The Champ" ihr erstes „Pferd im Stall". Ein stolzer Rüde, der es leicht mit mehreren Hundedamen auf sich nehmen kann. „Den würde ich aber niemals hergeben. Und wenn er später mal ein Rentner ist, dann bleibt er trotzdem bei uns."
Info:
Die Rasse scheint schon im Mittelalter existiert zu haben: In der Kathedrale von Amiens, gebaut im 13. Jahrhundert, kann man zwei in Stein gemeißelte kleine Löwchen besichtigen, die genau der Rasse entsprechen. Im 15. Jahrhundert wurde oft in Teppichen seine charakteristische Silhouette dargestellt. Der Name stammt von einer alten Scherweise: Hinterteil kurz bis auf Schwanz und Füße, Vorderteil mit der üppigen Behaarung, so dass er wirklich wie ein kleiner männlicher Löwe aussah. Er ist ein Bichon, was übersetzt flauschiger Hun) bedeutet. Es besteht eine enge Verwandtschaft zum Malteser, zum Havaneser, zum Bichon Frisé, zum Bologneser und zum Coton de Tuléar. Das Löwchen ist ein von 25 cm bis 33 cm großer „Mini-Löwe" und kann in Ausnahmen bis circa 6 kg schwer sein. Er ist ein Gesellschafts- und Begleithund mit seidigem Haar, lang, gewellt, dicht; ohne Unterhaar. Es gibt das Löwchen in allen Farben , auch gescheckte Exemplare sind erlaubt. Die Ohren sind tief angesetzt, von mittlerer Länge, die Rute wird über den Rücken gebogen getragen. Die lange Rutenbehaarung darf diesen berühren. Trotz seiner Herkunft als Luxushund ist er ein robuster und langlebiger (circa 14-16 Jahre) Hund, der sich in der Stadt (Haus oder Wohnungsbereich), aber auch auf dem Lande wohl fühlt. Sein Haarkleid ist wetterfest, er scheut auch keine langen Spaziergänge, läuft am Rad oder Pferd mit. Zudem hat er kein Haarwechsel zwischen Sommer- und Winterhaar, was für den Besitzer sehr angenehm ist.
Chinese Crested DogsRocky hebt seine Rute, sprintet los und hüpft mit wehender Mähne in einem Satz auf Frauchens Schulter. Amber & Mogli, zwei gleichaltrige Schwestern machen es ihm nach. Iris Schultz, 50, Kosmetikerin und Züchterin aus Mühlenbeck strahlt: „Meine Chinese Crested Dogs machen mir immer gute Laune. Sie sind so fröhlich und so temperamentvoll!"
Und sie sind außergewöhnlich. Mogli, die „Hairless" hat nur Haare am Schopf, an der Rute und an den Socken. Amber ist ein „Powder Puff" und am ganzen Körper behaart. „Das macht das Züchten dieser Hunderasse zu einem Glücksspiel. Das haarlose Gen wird zwar immer weitervererbt, aber man weiß nie, wie viele in einem Wurf haarlos sind."
Gut für Allergiker sind beide Varianten. Chinese Crested Dogs haben keine Unterwolle, also kein Fell, sondern lediglich Haare. Egal, ob hellhäutig, oder dunkelhäutig, ob behaart oder nackt, alle sind gleichermaßen beliebt. Hunde die zur Show gehen, sollten einmal wöchentlich gebadet werden.
Bei den Solino's, so der Zuchtname von Iris Schultz, toben sich fast nur Champions in dem großen Garten hinter dem Haus aus. „Wir haben Anfragen aus der ganzen Welt, einige unserer „ Kinder" fanden Ihr liebevolles Zuhause in Nowosibirsk, Australien, Brasilien, verschiedenen Teilen Europas und in die Staaten." Oder sie heimsen auf internationalen Rassehundeausstellungen Preise ein. Der Anschaffungspreis eines „Chinesen" ist unterschiedlich, der Preis beginnt ab 300.- Euro für die Liebhaber, Zucht- und Ausstellungshunde je nach Pedigree und Qualität werden teurer gehandelt. Iris: „Aber das ist zweitrangig. Meine Hunde erhöhen mit ihrer unbedingten Treue, ihrer Anhänglichkeit und positiven Ausstrahlung meine Lebensqualität. Mit ihnen wird jeder Alltag zum Vergnügen."
Info: Woher die Chinese Crested Dogs stammen, ist immer noch unklar. Ob ihre Herkunft tatsächlich in China liegt, wie ihr Name besagt, ist nur eine von vielen Theorien. Andere behaupten, die Rasse kommt ursprünglich aus Afrika oder aus dem Reich der Azteken. 1960 wurden die chinesischen Schopfhunde von den USA zum ersten Mal nach Deutschland importiert, begannen hierzulande die ersten Züchtungen.
Es gibt zwei Körpervarianten: „Deer Type", leichter Knochenbau, und „Cobby Type", schwerer Knochenbau. Der Rücken des Hundes ist gerade, die Rute wird beim Laufen hoch getragen. Die Augen liegen weit auseinander und sind sehr dunkel. Die Ohren müssen bei der nackten Variante hoch stehen , bei den Powder Puffs sind Hänge- und Stehohren erlaubt und sind bei beiden Varietäten mit langem Fell bewachsen. Die Widerristhöhe liegt bei 28 bis 33 cm, chinesische Schopfhunde werden selten schwerer als 5,5 Kilo.

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