Miss Marple ist eine Super-SchnüfflerinMiss Marple - die Schnüfflerin auf vier Beinen

Immer wieder hört man davon, dass Hunde bei der Verbrechensbekämpfung eingesetzt werden. Ihre Super-Spürnasen sind aus der alltäglichen Polizeiarbeit nicht mehr wegzudenken. In letzter Zeit ist viel die Rede von den "Man Trail Hunden". Lesen Sie die Geschichte von Miss Marple, einer Magyar Vizsla Hündin, die schon zu vielen Einsätzen gerufen wurde und erfolgreich war. 




Miss Marple - dem Verbrechen auf der Spur

Rettungshündin Miss Marple hat eine verletzte Person gefunden

Specials: Alles über die Rasse Magyar Vizsla und über "Man Trailing"

Text Thomas Böhm / Helmut Becker-Zang / Fotos: Sönke Tollkühn / privat

Wenn Polizei und Feuerwehr nicht weiter wissen, kommt sie zum Einsatz: Miss Marple ist die Super-Schnüfflerin von Berlin. Die sechsjährige Magyar-Vizsla-Hündin hat für das LKA und die Mordkommission schon mehrere Kapitalverbrechen aufgeklärt, ist den Behörden bei der Suche nach Leichen oder Vermissten eine willkommene Helferin und manchmal auch eine Nasenlänge voraus.
In einem Interview erzählt ihr Boss, Rettungshunde-Führer Helmut Becker-Zang, 56, aus Wilmersdorf, warum Miss Marple ein ganz besonderer Hund ist. Er beschreibt ihre Ausbildung, die Arbeit bei der „biologischen Wasserortung", ihre Erfolge und verrät seine Tricks.

Seit wann sind Sie in einer Rettungshundestaffel aktiv?

Ich bin seit ca. 12 Jahren in Rettungshundestaffeln aktiv.

Warum überhaupt und in welcher?

Ich finde zum Einen die Arbeit in einer Rettungshundestaffel sinnvoll, weil sie eine ehrenamtliche Tätigkeit ist und eine unbürokratische Hilfe den Personen zukommen lässt, die betroffen sind. Zum Anderen bietet sie die Möglichkeit die speziellen Fähigkeiten der Hunde im Rahmen ihrer Ausbildung einer gemeinnützigen Arbeit zur Verfügung zu stellen. Wir haben seit ca. 2 Jahren eine eigene Rettungshundestaffel gegründet mit der Bezeichnung „ Rettungshundestaffel Berlin-Potsdam e. V." Unsere neu gegründete Staffel hat sich etwas losgelöst von den etablierten verbandsorganisierten und daher oftmals recht bürokratisch operierenden Rettungshundestaffeln. In unserer Staffel haben sich Individualisten zusammengeschlossen, die auch die „biologische Wasserortung" (die Suche nach Leichen im Wasser) trainieren sowie das Man Trailing neben der Flächen- und Trümmersuche.

Miss Marple hat eine Supernase

Seit wann haben Sie Miss Marple?

Wir haben Miss Marple im Jahre 2003 als 12-wöchigen Welpen zu unserer damals 8-jährigen Hündin Amanda und unserem Kater Clay-Allee genommen.
Vor ca. einem Jahr haben wir nachdem Amanda verstorben war einen zweiten Drahthaar Vizsla namens Morwena Miss Marple zur Seite gestellt.

Warum haben Sie sich für einen Magyar Vizsla entschieden?

Wir hatten in meiner ehemaligen Rettungshundestaffel einen Kurzhaar Magyar Vizsla. Der Hund war für kurze Zeit vakant und sollte aus familiären Gründen ein neues zu Hause finden. Nachdem wir den Hund einige Zeit bei uns hatten und uns zur Übernahme des Hundes entschlossen hatten, hatten wir ausreichend Gelegenheit die Hunderasse kennen zu lernen. Aus der Rettungshundearbeit kannte ich bereits die Vorteile der Rasse bezüglich ihrer Arbeitsweise. Wir konnten aber im täglichen Zusammenleben erst die Liebenswürdigkeit der Rasse bezüglich ihrer menschfreundlichen Umgangsart und ihrer bedingungslosen Hingabe zu ihren Bezugspersonen erleben. Das hat uns schließlich dazu bewogen und unseren Entschluss gefestigt, dass unser nächster Hund ein Magyar Vizsla sein wird. Ich muss an dieser Stelle betonen, dass mir bis dato nicht bekannt war, dass es den Magyar Vizsla neben dem Kurzhaar auch in Drahthaar gibt.

In welchem Alter ist ein Hund für den Rettungsdienst geeignet?Miss Marple bei der biologischen Wasserortung

Man kann mit der Rettungshundearbeit bereits im Welpenalter beginnen. Allerdings sollte die Arbeit dann dem Alter angepasst gestaltet werden. Oftmals will der Hundeführer zu früh zu Vieles. Damit wird man dem Hund nicht gerecht und der Spaß des Hundes an der Arbeit geht verloren. Im Vordergrund der Rettungshundearbeit muss immer der Spieltrieb stehen und natürlich der Lohn für die Arbeit. Wir können dieses Prinzip 1 zu 1 vom Menschen auf den Hund übertragen. Oder arbeiten Sie etwa ohne dafür einen Lohn zu erhalten. Genau so ist es bei dem Hund. Wenn er etwas Erfolgreiches getan hat erwartet er eine Belohnung. Bleibt die Belohnung zu oft aus, wird der Hund keinen Spaß an der Arbeit entwickeln. Der Hund kann also bereits als Welpe an die Rettungshundearbeit herangeführt werden. Ideal ist es, wenn der Hund bereits eine Hundeschule besucht hat und im Alter zwischen einem halben und einem Jahr mit der Arbeit beginnt.

Spielt es eine Rolle, ob der Rettungshund ein Rüde oder eine Hündin ist?

Für die Rettungshundearbeit spielt es keine Rolle welches Geschlecht der Hund hat. Meine persönlichen Erfahrungen sind allerdings die - da ich ausschließlich Hündinnen führe bzw. geführt habe - dass mir persönlich Hündinnen angenehmer sind. Der Trieb des Rüden, der ganzjährig vorhanden ist, zeigt mir doch, dass der Rüde angetrieben durch seinen natürlichen Trieb in der Arbeit mehr oder weniger durch diesen gesteuert wird. Meine Erfahrungen mit meinen Hündinnen sind die, dass die Hündinnen ganzjährig arbeitswillig sind

Welche charakterlichen Voraussetzungen muss ein Hund haben, um im Rettungsdienst eingesetzt zu werden?

Grundsätzlich sollten Hunde, die in der Rettungshundearbeit tätig sind sozial verträglich zu Artgenossen und gegenüber Menschen sein. Die Hunde sollten frei von Verhaltensstörungen jeglicher Art sein und sie sollten ein spielfreudiges Verhalten zeigen. Die Hunde sollten selbständig sein und mit Gefahrensituationen zurecht kommen. Selbstverständlich sollten die Hunde gesund sein und über eine gute Kondition verfügen.

Wie lange dauert es, bis ein Hund im Rettungsdienst eingesetzt werden kann?Miss Marple zeigt ihrem Hundeführer, dass sie etwas enteckt hat

In der Regel wird ein Hund eine mindestens 2 bis 3-jährige Ausbildung absolvieren müssen ehe er als Rettungshund arbeiten wird. Das Training sollte regelmäßig mindestens 1 mal wöchentlich besser 2 mal wöchentlich stattfinden. Daneben sollte jeder Hundeführer beim täglichen Spazierengehen kleinere Trainingseinheiten einbauen. Dies können Geschicklichkeitsübungen, Unterordnungsübungen oder auch kleinere Suchaktionen sowohl nach Gegenständen wie auch nach vertrauten Personen sein.
Je nach Verbandszugehörigkeit ist die Voraussetzung zur Rettungshundeprüfung die Begleithundeprüfung. Erst danach kann mit der Rettungshundeprüfung begonnen werden. Diese ist dann jährlich zu wiederholen. Die vorgenannten Prüfungen beziehen sich auf die Flächen- und die Trümmersuche. Im Bereich des Man Trailings und der biologischen Wasserortung sind die Voraussetzungen anders und die Prüfungen nicht einheitlich geregelt.

Beschreiben Sie bitte das Training in der Rettungshundestaffel

Wir trainieren die Flächensuche, die Trümmersuche, das Man Trailing und die biologische Wassersuche.
Am Anfang steht allerdings neben den zuvor aufgeführten Bereichen die Ausbildung der Hundeteams für die Begleithundeprüfung im Vordergrund. In allen Bereichen werden bei uns neben der reinen Sucharbeit die Techniken der verschiedenen Anzeigemethoden trainiert.
Auch hierzu möchte ich die bei uns praktizierten Anzeigearten kurz vorstellen. Wir trainieren das klassische „Verbellen" der Suchperson durch den Hund. Hierbei hat der Hund, nachdem er die Suchperson gefunden hat, bei dieser Person zu verbleiben und solange zu Bellen, bis der Hundeführer ebenfalls bei der Suchperson angekommen ist.
Neben dem Verbellen trainieren wir das „Bringseln". Hierbei handelt es sich um eine Anzeigeart, bei der der Hund die Suchperson zunächst sucht und nachdem er sie gefunden hat ein sogenanntes „Bringsel" welches am Halsband oder an der Kenndecke befestigt ist in das Maul nimmt und es bis zum Hundeführer zurück apportiert. Nachdem der Hundeführer das Bringsel, welches aus einem ca. 10 bis 20 cm langen Strick oder Tau bestehen kann entgegen nimmt, leint er den Hund an eine Führleine an und gibt den Befehl die Suchperson mit ihm gemeinsam wiederzufinden.
Ähnlich ist das „Freiverweisen", welches in unserer Hundestaffel von den meisten Hunden freudvoll praktiziert wird. Beim Freiverweisen sucht der Hund zunächst die Suchperson und kommt nachdem er sie gefunden hat zu seinem Hundeführer zurück. Je nach Vereinbarung wird der Hund dem Hundeführer die Botschaft übermitteln, das er erfolgreich die Person gefunden hat. Im Falle meiner Hündin Morwena, zeigt sie mir einen positiven Fund mit einer sogenannten „Kerze" an. Der Hund sitzt dabei vor mir auf seinem Hinterteil und streckt mir beide Pfoten entgegen. Dies ist seine Art mir mitzuteilen dass ich ihn anleinen kann und er mich angeleint zu der Suchperson führt. Die Anzeige beim Hundeführer kann auch durch ein Bellen oder andere Arten der Anzeige vereinbart werden. Wichtig ist nur, dass die gewählte Anzeige ausschließlich für das Freiverweisen konsequent und nur für den speziellen Hund ausschließlich zur Ausführung kommt.
Die biologische Wassersuche ist eine spezielle Suche und lässt sich nicht mit den zuvor genannten Suchen, Suchmethoden und Anzeigearten in Verbindung bringen. Bei der Ausbildung in der Wassersuche steht für den Hund zunächst die Suche nach den Geruchsproben im Vordergrund. Da es hierbei um die Suche nach toten Personen geht, sind entsprechende Geruchsproben, die einem Leichengeruch am nächsten kommen zu verwenden. Ich will an dieser Stelle nicht auf die verschiedenen Geruchsproben eingehen. Wichtig ist, dass der Hund den speziellen Geruch verifizieren kann. Dies übt man am Anfang zunächst an Land. Wenn der Hund hierbei sicher ist überträgt man die Suche auf das Wasser. Hierbei beginnt man zunächst im seichten Gewässer mit der Suche nach den in diesem Wasser versteckten Geruchsproben. Wenn der Hund auch hier ein sicheres Anzeigeverhalten zeigt, dann kann man mit der Suche vom Boot aus beginnen. Zunächst ist der Hund an Boote verschiedener Größe und Art zu gewöhnen. Dies kann durchaus einen längeren Zeitpunkt in Anspruch nehmen. Alles weitere erfahren Sie an anderer Stelle.

Wo und wann wurde Miss Marple schon mal eingesetzt?

Mit Miss Marple habe ich mich auf die biologische Wasserortung und das Man Trailing spezialisiert. Miss Marple hat hier verschiedene Einsätze absolviert. Insgesamt hat Miss Marple an 4 biologischen Wasserortungen teilgenommen und dabei 3 Leichen geortet. Es handelte sich dabei um einen See in Mecklenburg Vorpommern einem See bei Potsdam und , einem kleinen Seitenfluss der Oder. Daneben hat sie Spezialeinsätze im Bereich des Man Trailings gemacht. Hierbei wurde sie im Bereich der Aufklärung von Kapitalverbrechen von Polizeibehörden angefordert.


Beschreiben Sie bitte einen spektakulären EinsatzDie Rettungshundestaffel in Aktion

Miss Marple hat im März dieses Jahres einen Einsatz im Rahmen der biologischen Wassersuche erfolgreich absolviert. Ich wurde von einem Landeskriminalamt angerufen und gebeten an der Suche nach einer vermissten Person mit meinem Hund Miss Marple teilzunehmen. Voraus gegangen war der Einsatz von ca. 200 Polizei- und Feuerwehrkräften sowie Tauchern und einem Hubschrauber, die schon ca. 14 Tage den Fluss nach einer vermissten Person, die einem Kapitalverbrechen zum Opfer gefallen war, abgesucht hatten. Nachdem wir den Fluss erreicht hatten musste sich Miss Marple zunächst mit dem Boot, welches mir zur Verfügung gestellt wurde vertraut machen. Dies war nicht so einfach, da es sich um ein sehr kleines Polyesterboot mit Rudern und Elektromotor handelte. Das Boot bot gerade mal Platz für den Bootsführer und mich. Ich musste also zunächst prüfen, ob Miss Marple überhaupt unter diesen Bedingungen arbeiten konnte und vor allem wollte. Ich muss erwähnen, dass die Boote die zur biologischen Wassersuche eingesetzt werden normalerweise über eine ausreichend große Plattform im vorderen Bereich des Bootes verfügen, von wo aus der Hund in liegender Position arbeiten kann und die Wasseroberfläche absuchen kann. Dazu kam, dass die Strömung des Flusses durch das abtauen der Schneemassen extrem stark war. Insgesamt haben wir sehr ungünstige Voraussetzungen vorgefunden. Nachdem wir also nicht von Idealbedingungen ausgehen konnten habe ich mit der Gewöhnung des Hundes an das Boot begonnen. Erstaunlicherweise hat Miss Marple sich sehr schnell an das Boot gewöhnt und man konnte erkennen, dass die Arbeit, die Suche nach einer toten Person für Miss Marple im Vordergrund stand und alle ungünstigen Bedingungen in den Hintergrund gestellt hat. Wir sind schließlich mit dem Boot den Fluss in Fliesrichtung bis zum nächsten Wehr (ca. 1,5 km vom Ausgangspunkt) gefahren, um gegen die Fliessrichtung und gegen den Wind mit der Suche zu beginnen. Nach ca. 600 m kam dann die erste „Verweisung". Eine „Verweisung" bezeichnet die Anzeige des Hundes vom Boot aus auf der Wasseroberfläche . Der Hund zeigt - im Falle von Miss Marple - durch intensivstes Riechen an der Wasseroberfläche , dass sich im Bereich der Anzeige die tote Person befinden muss. Dieser Drang des Hundes steigerte sich derart stark dass Miss Marple versucht ins Wasser einzutauchen um dem Geruchsstoff bzw. der toten Person näher zu kommen. Ich habe die Stelle markiert, um sie für die Taucher kenntlich zu machen und habe die Suche fortgesetzt. Aufgrund des vorherigen Verhaltens von Miss Marple konnte ich schließen, dass Miss Marple exakt durch „Verweisen" die Stelle angezeigt hat, wo die Taucher die tote Person anschließend bergen konnten.
Bei der weiteren Suche hat Miss Marple die Stelle durch eine weitere „Verweisung" angezeigt, wo die Leiche für einige Tage an einer quer über den Fluss liegenden - von Bibern gefällten Birke - aufgehalten wurde und anschließend durch die starke Strömung zu der Stelle verbracht wurde, wo zuvor Miss Marple die 1. „Verweisung" angezeigt hatte. Nachdem wir an der Ausgangsstelle nach ca. 45 Minuten getanener Arbeit ankamen, habe ich die Einsatzleitung über unsere Suche und die Ergebnisse informiert. Weitere 15 Minuten später trafen dann die Taucher der Polizei ein und konnten sehr schnell an der Stelle der 1. „Verweisung" die tote Person bergen. Der gesamte Einsatz wurde von der Polizei durch eine Videoaufzeichnung aufgenommen, um so den Kollegen zu demonstrieren, wie eine gute Zusammenarbeit zwischen der Polizei und den weiteren Hilfskräften und insbesondere dem Einsatz von Hunden bei der Wassersuche nach Leichen erfolgreich verlaufen kann. Im Abspann der Videoaufzeichnung des Landeskriminalamtes hieß es: „Nur durch das unkomplizierte Zusammenwirken von allen beteiligten Einheiten und dem vorzüglichen Einsatz von „Miss Marple" konnte der Aufklärung des Verbrechens ein großer und bedeutender Baustein hinzugefügt werden."

Wie funktioniert so ein Einsatz? Wer ruft Sie an? Erhalten Sie eine Aufwandsentschädigung?

Einem Einsatz geht stets ein Ereignis voraus. Nehmen wir als Beispiel an, dass ein Kind vermisst wird. Was passiert dann? In der Regel werden sich die Angehörigen an die zuständige Polizeibehörde wenden. Diese wird je nach Sachlage Ihren Apparat in Bewegung setzen. Leider - aber dies ist die Regel - werden die Spezialisten, die mit den außerordentlichsten Riechorganen ausgestatteten Spürnasen erst dann zum Einsatz angefordert, wenn die übliche Polizeiarbeit zu keinem Ergebnis geführt hat. Die Anforderung der Rettungshunde erfolgt dann in der Regel über die Leitstellen der Feuerwehr. Von hier gehen dann Anforderungen an die Rettungshundestaffeln bzw. an die Spezialhundeführer. Dies geschieht ebenso , wenn ältere Personen als vermisst gemeldet werden. In beiden vorgenannten Fällen handelt es sich um die Suche nach vermeindlich noch lebenden Personen. Man muss allerdings unterscheiden zwischen den Einsätzen der Lebendsuche oder Suche nach vermeindlich noch lebenden Personen) und den Einsätzen der Suche nach vermeindlich nicht mehr lebenden Personen, Leichen. Während die Einsätze bei der Lebendsuche in der Regel über die Feuerwehren und deren Katastrophenschutzorganisationen geregelt sind, werden die Suchen nach Leichen in der Regel von den zuständigen ermittelnden Behörden (Landeskriminalämter, Mordkommissionen etc.) beauftragt. In beiden vorgenannten Fällen kann die Anforderung auch von Privatpersonen, in der Regel von engen Angehörigen der zu Suchenden erfolgen. Eine Aufwandsentschädigung wird für die Lebendsuche nicht erfolgen. Bei der Suche nach Leichen kann eine Aufwandsentschädigung verlangt werden.

In wie weit wird der Hundeführer mittrainiert? Was muss ein Hundeführer können? Welche Voraussetzungen muss ein Hundeführer haben, um in einer Rettungsstaffel tätig zu sein?Miss Marple hat unter Wasser etwas aufgespürt

Zunächst sollte jeder Hundeführer ein „Hundeliebhaber" sein. Der Hundeführer sollte seinen Hund sehr genau kennen und sich mit den Eigenschaften der Hunderasse vertraut machen. Hundeführer und Hund bilden beim Rettungshundeeinsatz ein Team. Deshalb sollte der Hundeführer auch Teamfähigkeiten besitzen und nicht nur Befehlsgeber sein. Darüber hinaus sollte der Hundeführer in der Lage sein sich mit Karte und Kompass im Gelände zu orientieren. Am wichtigsten ist jedoch, dass sich der Hundeführer und sein Hund in einem gesundheitlichen guten Zustand befinden sollten. Viele der vorgenannten Eigenschaften werden während des Trainings mit geübt. Andere jedoch stellen eine unabdingbare Voraussetzung dar.

Wie viele Jahre kann ein Hund eingesetzt werden? Wie lange darf ein Einsatz sein. Wann wird der Hund müde?

Diese Frage lässt sich auch auf den Menschen übertragen. Wie viele Jahre kann ein Mensch arbeiten? Wer sich diese Frage ernsthaft stellt, wird zunächst zu dem Ergebnis kommen: Bis das der Tod in nimmt. Danach wird er aber schnell seinen ersten Gedanken revidieren. Warum sollte ein Mensch bis zu seinem Tod arbeiten. Haben wir im Alter nicht das Verdienst erworben etwas leiser zu treten. Und wie wir alle jetzt erkennen, eine genaue Altersgrenze lässt sich nicht darstellen, sieht man von den Altersgrenzen einmal ab, die uns vom Gesetzgeber oder vom Arbeitgeber gezwungener Maßen vorgegeben werden. Ähnlich sieht es beim Hund aus. Viele Rettungshundeorganisationen geben eine Altersgrenze mit 10 Jahren vor. Dies lässt uns an die zuvor erwähnten vom Gesetzgeber oder Arbeitgeber angeordneten Altersgrenzen erinnern. Ich selbst bin der Meinung, dass die Konstitution in der sich der Hund befindet ausschlaggebend dafür ist, wann der Hund in seinen verdienten Ruhestand kommt. Ein 8-jähriger Hund kann ebenso wie ein 12 oder gar 14-jähriger Hund diese Grenze erreicht haben. Entscheidend ist doch in welcher gesundheitlichen Verfassung sich der Hund befindet. Zur Länge eines Einsatzes ist anzumerken, dass jeder Einsatz „geistige" Arbeit für den Hund bedeutet. Nun können die Einsätze in sich wiederum verschiedenen Anforderungen unterliegen. Ich kann an dieser Stelle nur anmerken, dass jeder Hundeführer seinen Hund genau kennen muss, um situationsbedingt zu entscheiden wie lange ein Einsatz dauern kann. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ich Einsätze mit einer Dauer zwischen einer halben Stunde und maximal einer Stunde absolviert habe.
Der Hund wird dann müde, wenn der Einsatz über seine körperlichen und geistigen Leistungsgrenzen hinaus geht. Er verliert dann seine Konzentrationsfähigkeit und die Arbeit (Suche) wird an Intensität verlieren. Ein Hundeführer sollte bei der Suche niemals diese Grenzbereiche erreichen. Ein guter Hundeführer zeichnet sich dadurch aus diese Grenzen schon ausreichend früh vorher zu erkennen und sich und seinem Hund die notwendige Ruhepause zu verordnen.

Warum ist Miss Marple ein besonders guter Rettungshund?

Diese Frage lässt sich von mir recht schnell beantworten. Miss Marple ist eben ein besonderer Hund. Jeder der Miss Marple kennt, der weiß worüber ich rede. Aber kommen wir wieder zur Realität zurück. Miss Marple zeichnet sich besonders dadurch aus, dass sie eine außerordentlich gründliche Arbeitsweise absolviert. Sie ist stets hochkonzentriert bei der Arbeit. Sie lässt sich durch nichts bei ihrer Arbeit ablenken und sie passt sich den sich ergebenden Situationen schnell an. Sie entscheidet selbständig und kennt bei der Arbeit keine Hindernisse. Sie ist mir bei der Arbeit ganz einfach 100 Millionenfach überlegen.


Haben Sie ganz spezielle, persönliche Trainingsmethoden entwickelt, wenn ja, welche?

Meine Trainingsmethoden zeichnen sich dadurch aus, dass ich zunächst über einen langen Zeitraum lernen musste meinen Hund zu „lesen". Dies bedeutet, ich musste erlernen die Reaktionen meines Hundes in speziellen Situationen zu erkennen, zu verstehen und zu interpretieren. So lernte ich Verhaltensweisen kennen, die meinem Hund positiv und andere die meinem Hund negativ beeinflussten. Es liegt auf der Hand, dass ich alles was sich meinem Hund als negative Erfahrung zeigt nicht in die Trainingsarbeit einbauen durfte. Ich lernte so meinen Hund zu verstehen und ich gebe mir Mühe ihm nur das zu vermitteln, was ausschließlich positiv von ihm wahrgenommen wird. Mit dieser Art habe ich bei Miss Marple und bei Morwena - unserem 2. Magyar Vizsla - den besten Erfolg. Übrigens macht der Ton die Musik und gerade bei dem Magyar Vizsla sind leise Töne angesagt.


Was macht Ihnen am meisten beim Training und beim Einsatz Spaß?

Das Erlebnis zu sehen, mit welcher Freude und mit welchem Engagement mein Hund bei der Suche - ob es nach Lebenden oder auch nach Toten ist - arbeitet. Die Freude meines Hundes über alle Menschen die an den Einsätzen bzw. am Training beteiligt sind.

 

Info: Alles über "Man Trailing"

Mantrailing ist die Personensuche unter Einsatz von Gebrauchshunden, die Mantrailer genannt werden. Mantrailing wird seit Jahrzehnten in den USA trainiert und erfolgreich in der Suche nach Flüchtenden und Vermissten eingesetzt. In Deutschland fasste die Entwicklung des Mantrailings Anfang bis Mitte der 90-iger Jahre Fuß.Dabei wird der hervorragende Geruchssinn der Hunde ausgenutzt. Der englische Begriff Mantrailing setzt sich zusammen aus man = Mensch und (to) trail = verfolgen. Der Unterschied zwischen einem Mantrailer und anderen Suchhunden besteht darin, dass der Mantrailer bei der Suche verschiedene menschliche Gerüche voneinander unterschieden kann und sich trotz vieler Verleitungen ausschließlich an den Geruchsmerkmalen der gesuchten Person orientiert. Mantrailer können auch innerhalb von Gebäuden und bebauten Flächen eingesetzt werden. Beim Mantrailing werden die Duftmoleküle der Zielperson gesucht, und nicht die Bodenverletzungen wie bei der Fährtenarbeit. Beim Mantrailing wird als Geruchsträger der Individualgeruch der zu suchenden Person verwendet. Die Qualität des Geruchsträgers ist entscheidend für den Verlauf der Suche.
Ein Mensch verliert ständig Hautschuppen - in jeder Minute Tausende. Die Hautpartikel werden verwirbelt und verstreut, wenn der Mensch sich bewegt. Neben Hautzellen enthalten die Schuppen häufig weitere Bestandteile beispielsweise Rückstände von Kosmetika. Eine verletzte Person verliert darüber hinaus Blut, das sich dann auf der Spur befindet.] Durch das Einwirken von Bakterien auf die menschlichen Zellen entsteht der Geruch, dem der Hund folgt. Die Duftspur des Menschen driftet z. B. durch Windeinwirkung und Sonneneinstrahlung ab, verdünnt sich an einigen Stellen und verdichtet sich dafür eher an windgeschützten Stellen. Menschliche Zellen bleiben unterschiedlich lange Zeiträume erhalten: Hautzellen etwa 36 Stunden, rote Blutkörperchen dagegen etwa 120 Tage. Das allein begrenzt schon die Haltbarkeit einer Duftspur. Zusätzlich kommen Einflüsse wie Witterung, die schon erwähnten chemischen Substanzen, und weitere Stoffe hinzu, die für eine längere oder kürzere Haltbarkeit der Duftspur verantwortlich sind.

Im Bereich der Rettungshundearbeit werden immer mehr Mantrailer ausgebildet. Durch den Einsatz der Mantrailer kann i. d. R. eine Hinwendungsrichtung der vermissten Person vorgegeben werden. Somit ist es möglich, die Flächensuchhunde gezielter einzusetzen und größere abzusuchende Flächen entsprechend zu priorisieren. Das Zusammenspiel zwischen Mantrailer und Flächensuchhunden steigert die Effizienz bei der Vermisstensuche. Es werden jedoch, je nach Situation und Anforderer, auch ausschließlich Mantrailer oder Flächensuchhunde bei der Vermisstensuche eingesetzt.

Beim Mantrailing nach Duftmolekülen der Zielperson gesucht. Als Geruchsträger wird der Individualgeruch der zu suchenden Person verwand. Es wird also ein Gegenstand der Suchperson benötigt, der wiederum dem Hund als Geruchsprobe dient. Dem Hund ist demnach zunächst beizubringen, dass er den Geruchsträger wahrnimmt und den Geruch abspeichert. Nur diesem Geruch soll der Hund folgen. Die Distanz der Suche nach der Person wird entsprechend dem Lernerfolg des Hundes vergrößert, und der Weg der Suchperson wird entsprechend dem Lernerfolg des Hundes angepasst.

Oftmals werden für das Mantrailing Rassen wie Bloodhound oder Schweißhunde favorisiert, doch haben sich auch Rassen wie z. B. Labrador Retriever und Golden Retriever sowie Magyar Vizsla in der Praxis bewährt. Die erzielten Leistungen hängen weitgehend rasseunabhängig von den individuellen Fähigkeiten des Hundes ab, eine besondere Eignung der Rasse Bloodhound (die oft behauptet wird) besteht nicht.

Im Bereich der Rettungshundearbeit werden immer mehr Mantrailer ausgebildet. Durch den Einsatz der Mantrailer kann i. d. R. eine Hinwendungsrichtung der vermissten Person vorgegeben werden. Somit ist es möglich, die Flächensuchhunde gezielter einzusetzen und größere abzusuchende Flächen entsprechend zu priorisieren. Das Zusammenspiel zwischen Mantrailer und Flächensuchhunden steigert die Effizienz bei der Vermisstensuche. Es werden jedoch, je nach Situation und Anforderer, auch ausschließlich Mantrailer oder Flächensuchhunde bei der Vermisstensuche eingesetzt.

Der Einsatz der Mantrailer erstreckt sich jedoch nicht nur auf die Suche nach vermissten Personen, sondern auch auf die Suche nach Personen, die sich eines Deliktes schuldig gemacht haben. In der Ermittlungsarbeit der Polizei werden daher zunehmend Mantrailer eingesetzt um Bewegungsprofile von Tätern zu erstellen und damit gezielte und effektivere Ermittlungsarbeit zu leisten.

 

Info: Alles über Magyar Vizsla

Rettungshundeführer Helmut Becker-Zang und seine Hündinnen


Der Magyar Vizsla wurde Anfang des 20. Jahrhunderts aus vorhandenen gelben Jagdhunden in Ungarn gezüchtet. Die Magyaren brachten diesen Hundetyp aus ihrer asiatischen Stammheimat mit, als sie im 9./10. Jahrhundert das Karpatenbecken besiedelten. Auf 1.000 Jahre alten Steinritzzeichnungen ist jedenfalls dieser Hundetyp zu erkennen. Die goldene Farbe hatte den Zweck einer Tarnfarbe in den Steppen und Getreidefeldern. Die Hunde verschwanden im 19. Jahrhundert immer mehr, als Pointer, Setter und Vorstehhunde in Mode kamen. Etwa um 1920 besann man sich auf den alten Jagdhundtyp und begann den Bestand zu registrieren. Am 29. Mai 1920 wurde die „Ungarische Vizsla-Züchtervereinigung" gegründet, die diesen Hund züchterisch betreut. Nach weiteren Rückschlägen durch die Weltkriege gewann der Vizsla immer mehr Liebhaber. Mittlerweile sind die Rassebestände gesichert. In Deutschland werden im Jahr ca. 150 Welpen geboren. Den Magyar Vizsla gibt es in zwei Fellvarianten: Kurzhaar und Drahthaar.

Bei dieser sehr eleganten Hunderasse werden die Rüden 58-64 cm hoch, die Hündinnen 54-60 cm; der Körper ist muskulös aber schmal. Da der drahthaarige Vizsla erst ab den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts gezüchtet wird, und er durch die Einkreuzung des Deutsch Drahthaar entstand, sehen die maßgeblichen Zuchtverbände die beiden Varianten als getrennte Rassen. Die FCI führt den Vizsla also in zwei Rassen, die sich durch ihre Fellstruktur unterscheiden: Der kurzhaarige Magyar Vizsla kommt in allen Farbnuancen von Semmelgelb bis Dunkelgold vor.
Den drahthaarigen Magyar Vizsla sieht man meist in verschiedenen Sandgelbnuancen, so zum Beispiel rostbraunes Gold. Bei dieser Variante ist ein kleiner Bart sowie ausgeprägte Augenbrauen erwünscht. Das Fell fühlt sich drahtig an, niemals weich oder fusselig. Kleine (5 cm) weiße Abzeichen auf der Brust werden bei beiden Felltypen akzeptiert. Geflecktes Fell ist jedoch unerwünscht. Die Farbe der mittelgroßen Augen ist an die Fellfarbe angepasst, normalerweise nie stechend oder kalt.
Auffallend helle Augen werden jedoch, wie auch bei vielen anderen Jagdhunderassen nicht gewollt. Die Ohren sind tief angesetzt und hängen dicht an den Wangen herunter und sind unten abgerundet. Die Lefzen sollen anliegen. Kehllappen (Wamme) sind unerwünscht. Die Rute wird waagerecht getragen, das Kupieren ist in Deutschland unter der Maßgabe jagdlicher Führung laut Tierschutzgesetz zwar erlaubt, sonst jedoch verboten.
Bei der Jagd wird der Magyar Vizsla ziemlich universell eingesetzt, er ist ein hervorragender Schweißhund, apportiert gerne mit weichem Maul, er vereint die Vorzüge eines Windhundes: Ausdauer und Schnelligkeit mit Spur und Fährtensicherheit. Er ist ausgesprochen lernwillig. Seine Menschenfreundlichkeit, seine Sensibilität und Anhänglichkeit verbietet die Zwingerhaltung. Bei ausreichender Beschäftigung ist er durchaus als Familienhund geeignet.
Der Magyar Vizsla ist ein sehr sensibler Hund, der keine raue, harte, laute oder grobe Behandlung in Erziehung, Ausbildung und Haltung verträgt. Äußerst ausgeprägt ist sein körperliches Kontaktbedürfnis, er weicht seinem Führer buchstäblich „nicht von der Seite". Ein Vizsla muss und möchte ausreichend und artgerecht beschäftigt werden. Das sind zum einen die jagdliche Beschäftigungen und zum anderen die vielfältige Möglichkeiten in der Rettungshundearbeit oder im Hundesport (Fährtenarbeit, Mantrailing, Agility usw.). Seit 1995 wird der Vizsla in Deutschland vermehrt als Therapiehund eingesetzt. Der Magyar Vizsla möchte nicht nur viel Auslauf und Bewegung, sondern ebenso eine „geistige Arbeit" leisten. Da der Vizsla sehr lernbegierig ist, macht die Arbeit mit ihm sehr viel Freude. Eine Unterforderung des Magyar Vizsla kann zu Verhaltensstörungen führen. Jeder, der sich für einen Magyar Vizsla interessiert, muss sich im Klaren darüber sein, dass die artgerechte Haltung es erfordert, dass nahezu die gesamte Freizeit dem Magyar Vizsla gehört, der Vizsla ist somit alles andere, nur kein Anfängerhund; wer sich aber auf diese Art der Mensch-Hund-Partnerschaft einlassen kann, bekommt im Magyar Vizsla einen wunderbaren Gefährten.