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Keine Angst vor großen Tieren
Text: Thomas Böhm/Fotos: Sönke Tollkühn
Mit einem geschickten „Maul-Wurf" befördert die fünfjährige Chanel ihren Elefanten zu den anderen Stoff-Äffchen, Krokodilen und Pferdchen ins Körbchen. Mehr Kunststücke hat die kleine Yorkshiredame nicht drauf. Trotzdem ist sie die heimliche Chefin von 250 Tieren und knapp 5000 Menschen in der Zirkus-Stadt Krone, der bis zum 28. Oktober auf dem Festplatz Clayallee gastiert.
Das TT-Team hat sie bei ihrer morgendlichen Inspektion begleitet.
Wie jeden Tag um diese Zeit hockt Chanel auf dem schmalen Fenstersims und schaut aufmerksam aufs Gelände. „Da könnte auch unser Nashorn an die Tür klopfen, meine Kleine würde mutig unseren Wohnwagen verteidigen", sagt Frauchen Brigitta Malmström, 45, die als Moderatorin bei Zirkus Krone arbeitet. Früher, als sie noch die „blonde Schönheit am Trapez" unterwegs war, hat sie Chanel mit durch ganz Europa genommen. „Wir Zirkusleute sind doch alle tierlieb. Auf dem Gelände laufen 20 Hunde herum. Das sind alles Kuscheltiere. Nach einem anstrengenden Auftritt brauchen wir was zum Schmusen."
Chanel bekommt eine Leine um den Hals, frei herum laufen darf hier kein Tier. Dazu ist die Ansteckungsgefahr zu groß. Brigitta:„Außerdem würden unsere Elefanten nervös werden, wenn Chanel zwischen ihren Beinen herumzappelt. Und nervöse Elefanten kann kein Zirkus gebrauchen."
Um diese Zeit herrscht schon reger Betrieb auf dem Gelände. Die Tiere werden gepflegt, die Technik überprüft, Artisten proben fleißig ihre Nummern für den Abend. Chanels erste Station ist der Exotenstall. Dort wird sie von Lama Paco wie jeden Morgen mit einem zärtlichen Nasenstüber begrüßt, bei den Zebras hingegen macht die Yorkshire-Dame einen großen Bogen. Brigitta: „Die sind bekannt dafür, dass sie gerne mit den Hinterhufen ausschlagen. Einen Treffer würde Chanel nicht heil überstehen." Dafür macht die Hündin der noch müden Kameldame Tanja Beine. Ein kurzes Gekläff und das große Tier steht Kiefer mahlend auf. Genüsslich kaut sie dabei auf einem Strohhalm herum.
Um ihre Glieder etwas zu schonen, nimmt Chanel die Dienstleistung von Shetlandpony Coco in Anspruch. Auf seinem breiten Rücken geht es als „Coco Chanel" bequem zu den Werkstätten, weiter zur Küche und zur Schule. Natürlich muss Chanel auch in der Manege vorbeischauen. Dort werden gerade die Dressurpferde trainiert. Brigitta: „Gut, dass unsere Löwen gerade Pause machen. Den anderen Zirkustieren würden sie zwar nichts tun, aber unsere „privaten" Hunde kennen sie nicht." Dafür schenkt Frauchen ihrer Hündin ein Plüschtier, der weiße Löwe „King Tonga" das Maskottchen des Zirkus Krone.
Nachdem Chanel die Garderobe überprüft und Ballettänzerin Jana, 24 ein paar Schminktipps gegeben hat, darf sie zu ihrem Lieblingsplatz: Zu Onkel Herbert, 72, der hinter der Zoo-Kasse sitzt. Hier kontrolliert Chanel die Tickets.
Wer Interesse hat, die vielen Zirkustiere außerhalb der Vorführung zu bewundern und vielleicht mal mit Chanel eine Runde drehen will: Zirkus Krone gastiert noch bis zum 28. Oktober in Berlin, Festplatz Clayallee. Vom 30.10. bis 8.11.09 in Zwickau, Platz der Völkerfreundschaft. Der Zirkus-Zoo öffnet tätlich außer Montags ab 10 Uhr seine Pforten. Eintritt: 4 Euro, Kinder: 3 Euro.
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