Auch die Ohren werden gewaschen, damit Benny wieder gut hörtWaschen, föhnen, schneiden, bellen!

Text: Thomas Böhm/Fotos: Sönke Tollkühn

„Einmal kurz und frech für 27 Euro, bitte!" lautet der Auftrag für Hundefriseur Sven Franske, 35, aus Zehlendorf. Sein Kunde heißt Benny, ist ein fünf Jahre alter Havaneser-Mix und mehr als fällig. Franske: „Der war bestimmt zwei Monate nicht mehr bei mir und sieht aus als ob er den Garten umgegraben hat, das Fell ist schmutzig, verklebt und die Wolle ist bestimmt um einen Zentimeter gewachsen." Der Haveneser-Mix bleibt gelassen, als ihn der Friseur auf seinen Leuchttisch hebt. Er wird nicht fixiert und muss auch keinen Maulkorb tragen. Franske: „Benny ist Stammkunde, der kennt die Prozedur, war schon mindestens 30 Mal bei mir. Der tut mir nichts."Überall muss gekürzt werden
Trotzdem zieht er vorsichtshalber einen locker sitzenden Kittel an. „So würde der Hund ins Leere schnappen, falls ich mich doch mal verschneiden sollte." Frauchen verabschiedet sich, bevor der Meister die Messer wetzt, kämmt er den zerstrolchten Benny - mit dem Strich - durch.


Franske: „Rüden neigen dazu, beim Markieren sich selber mit einzubeziehen. An diesen Stellen sind sie dann besonders verfilzt. Aber Benny ist kein Drahthaar und muss deshalb nicht getrimmt werden".
Mit einer extra, 60 Watt-starken Haarschneidemaschine rückt er nun seinem vierbeinigen Kunden auf den Pelz. „Ich habe den Vorsatz auf 5 Millimeter eingestellt. Das bedeutet bei Tieren, dass diese Länge erhalten bleibt. Benny soll ja kein Nackthund werden." Nach dem Grundschnitt kommt der Kunde in die Wanne, wird mit 23 Grad warmen Wasser durchgespült und mit schamponiert. „Benny bekommt was mit Seidenproteinen, das macht brüchiges Haar stabil."
Ein gutes Shampoo gehört dazuNachdem der Hund sich ausgeschüttelt und den Meister nass gemacht hat, wird er durch gerubbelt und mit einem Fön, der sich nicht statisch auflädt, trocken gepustet. Dann geht es an den Feinschnitt. Keine Stelle wird ausgelassen. Rücken, Bauch, Beine, Ohren, Kopf, Schwanz und sogar die Achseln werden rasiert. An den weniger zugänglichen und empfindlichen Stellen benutzt Sven Franske eine Schere.
Nach 1 ½ Stunden ist Benny um 150 Gramm leichter. Die Wolle wird zusammengefegt und irgendwann mal als Dämmmaterial für Motorhauben weiterverarbeitet. Zum Schluss zupft Sven Franske noch Bennys Barthaare, fertig ist der schicke Hund.
„Ich hoffe, Frauchen ist zufrieden. Ich hatte schon mal einen Kunden, der mir den Salon auseinander genommen hat und mich verprügeln wollte, weil ich seinen Pudel - nach tierärztlichem Rat - zu kurz
Vorhergeschoren hatte!"nachher