Jetzt gibt es Hoffnung, auch für Hunde wie SchröderHoffnung für die kalten Schnauzen!

Immer wieder sind Hunde im Tierheim Berlin krank oder verhaltensauffällig - der Tierschutzverein will sie in einem Hundetrainings- und Rehabilitationszentrum für ein Leben nach dem Tierheim fit machen

Jack wirkt auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Hund. Neugierig nimmt er jede Bewegung in seiner Umgebung wahr. Er läuft ohne Probleme an der Leine, macht brav „Sitz" und „Platz". Und dennoch ist der stattliche vier Jahre alte Schäferhund-Labrador ein Problemhund. Denn Jack soll immer, wenn er vorm Supermarkt angebunden wurde, Passanten gebissen haben. „Eine Erklärung dafür könnte sein, dass er sich in die Enge getrieben fühlte und keine Ausweichmöglichkeit hatte", sagt Heike Iben, die Hundetrainerin des Tierheims Berlin. Dennoch trennte sich die vormalige Besitzerin von ihrem Tier - vermutlich, weil sie mit seinem Wesen überfordert war. „Er ist ein extrem sanfter Hund", sagt Heike Iben. „Allerdings ist er nichts für Hundeanfänger."Dackel-Dame Goldi bekommt bald mehr Platz zum Toben
Hunde wie Jack sind die Sorgenkinder im Tierheim Berlin - und davon gibt es reichlich. Viele Hunde gelten als schwer vermittelbar. Interessenten machen um diese Tiere einen großen Bogen, weil diese entweder alt oder chronisch krank sind. Hinzu kommen jene Hunderassen, die nach dem Berliner Hundegesetz als gefährlich eingestuft wurden und deren Haltung an etliche Auflagen gebunden ist. Oder Hunde, die nie gelernt haben, sich ihren Menschen unterzuordnen und deren Halter ihre Tiere wegen Überforderung ins Tierheim geben. Monate, manchmal Jahre müssen viele von ihnen warten, bis sich doch ein passender und hundeerfahrener Besitzer gefunden hat. Eine unerträgliche Situation für Tiere, die auf den Menschen geprägt sind und sich nichts sehnlicher wünschen als ein eigenes Zuhause.


Um die Chancen auf eine schnelle Vermittlung der Sorgenkinder zu erhöhen, plant der Tierschutzverein Berlin jetzt den Bau eines Hundetrainings- und Rehabilitationszentrums - dort sollen Tierheimhunde mit Handicap gezielt und kompetent auf ein neues Leben außerhalb der Tierheim-Mauern vorbereitet werden.
Heike Iben kennt jeden Tierheimhund. Die Trainerin schaut sich die Tiere gleich bei deren Aufnahme im Tierheim an. Dann entscheidet sie zusammen mit den Pflegern, wie mit den Hunden gearbeitet werden kann. Die ganz schweren Fälle betreut Heike Iben selbst. Und das Risiko ist groß. „Am Anfang
schaue ich mir die Tiere an, probiere, wie weit ich bei ihnen gehen kann", sagt sie. „Der Erstkontakt findet in der Regel hinter Gittern statt." Doch die Möglichkeiten, mit den Tieren zu arbeiten, sind derzeit begrenzt. „Dafür brauche ich Ruhe und vor allem darf ich keine Besucher gefährden", sagt Heike Iben. Bisher weicht sie deshalb auf den Hundeplatz aus oder trainiert die Tiere außerhalb der Öffnungszeiten des Tierheims.
Tierheim-Hundetrainerin Heike Iben mit JackDas Hundetrainings- und Rehabilitationszentrum soll dazu beitragen, dass Heike Iben und ihre Kollegen künftig ungestört mit den Tieren arbeiten können. „Ich kann beispielsweise Situationen provozieren", sagt sie.
Dazu gehört, mal zu stolpern und hinzufallen, um die Reaktion eines Hundes zu testen. Aber auch Situationen wie die Begegnungen von älteren Menschen mit Gehstock - natürlich von Tierpflegern gespielt - können dort unkompliziert probiert werden. Geplant ist auch Stresssituationen wie das Klingeln eines Telefons oder hektische Bewegungen zu simulieren. Je nach Reaktion des Hundes haben die Trainer dann ein genaues Bild von den Tieren und können sie gezielt trainieren. Vor allem bei Fundtieren ist die Vorgeschichte nicht bekannt.
Wertvolles Wissen kann im neuen Hundetrainings- und Rehabilitationszentrum auch an Hundehalter vermittelt werden, die mit dem Gedanken spielen, ihr Tier im Tierheim abzugeben. Von kompetenter Seite erhalten sie nützliche Tipps im Umgang mit ihren Vierbeinern. So wird verhindert, dass Mensch
und Tier getrennte Wege gehen müssen. Und auch die potenziellen Halter eines Tierheimhundes
erhalten hier wertvolle Tipps für den Umgang mit dem neuen Familienmitglied. Neben den großzügigen Unterkünften für die Hunde sind auch weitläufige Freigehege vorgesehen, in denen die Hunde in Gruppen untergebracht werden können. Dabei lernen die Tiere soziales Verhalten. Und noch viel wichtiger: Sie haben keine Angst vor anderen Hunden. Gäbe es das neue Haus bereits,
dann bräuchte sich Heike Iben auch keine Gedanken über Schröder, den halbwüchsigen
Staff-Mix, zu machen. Er kam im Alter von drei Monaten ins Tierheim und wird hier erwachsen.
„Wir arbeiten schon viel mit ihm, können aber keinen Besitzer ersetzen, der viel mehr Zeit mit dem Tier verbringt als ein Pfleger und ihm auch seine Grenzen aufzeigt." Im neuen Haus könnte er sich austoben und mit anderen Hunden spielen und raufen. Auch die Dackelhündin Goldi wäre im Neubau gut aufgehoben - dort entsteht eine Vermittlungsabteilung für Senioren-Hunde. Bislang wartet sie in der Krankenstation des Tierheims auf neue Besitzer. Handicap der alten Dame ist ihre Diabetes-Erkrankung. Deshalb muss ihr zweimal am Tag Insulin gespritzt werden. Viele Interessenten schreckt dies ab. Dabei ist das eine leicht zu lernende Angelegenheit. Im neuen Haus gäbe es mehr Platz für die Hündin. Im Krankenbereich ist dieser allerdings begrenzt.
Rund 2,6 Millionen Euro sind für den Neubau veranschlagt, für den der Tierschutzverein ab sofort Spenden sammelt. Wenn alles klappt, dann soll der Komplex im kommenden Jahr eröffnet werden.

Der Plan für das neue HundegeländeAuf einen Blick - das neue Hundeprojekt

Der Tierschutzverein für Berlin plant einen Neubau für schwer vermittelbare Hunde. Dabei sollen die bestehenden Kapazitäten um ein Rehabilitations- und Trainingszentrum zur besseren Vermittlung der Tiere erweitert werden. In dem Komplex können bis zu 60 Tiere gezielt auf ein Leben außerhalb des Tierheims vorbereitet werden - von geschulten und kompetenten Tierpflegern, Hundetrainern und Ehrenamtlichen. Ziele sind, die Aufenthaltsdauer von Hunden im Tierheim Berlin deutlich zu verkürzen, ihnen den Weg in ein neues Zuhause zu bereiten und die Hundehalter ehrenamtlich
zu integrieren und zu schulen.
Das in der Bundesrepublik einmalige Pilotprojekt soll Stadt und Senat in dem Bemühen unterstützen, auf als gefährlich geltende Hunde und ihre Halter einzuwirken und sie zu resozialisieren. Denn in dem neuen Hundezentrum erhalten Hundefreunde gezielte, praktische
und nützliche Hilfe bei der Erziehung ihres Vierbeiners. Die Halter werden in die Lage versetzt, ihre Hunde sicher und optimal zu führen und erweitern ihre sozialen Kernkompeteanzen. Einer drohenden Zunahme frei laufender Hunde wird entgegen gewirkt. Das Trainingszentrum soll auch Anlaufstelle für hilfsbedürftige Tierfreunde mit geringen finanziellen Mitteln sein und so die aktuelle
Notlage entspannen und mildern helfen.
Neben der Errichtung moderner Hundeboxen mit Innen- und Außenausläufen sollen Spiel- und Tobeflächen entstehen. Geplant sind überschaubare Einheiten, in denen die Tiere in Ruhe und ganz individuell, vor allem aber professionell betreut werden. Für jedes Tier wird ein eigener Therapieplan erstellt. Ziel ist die Vermittlung in ein neues Zuhause mit verantwortlich handelnden Haltern.
Viele Tiere lernen erst im Tierheim Verhaltensregeln und müssen mit viel Zeit und Geduld auf ein Leben nach dem Tierheim-Aufenthalt vorbereitet werden. Jeweils zwei Innenboxen des neuen Hundehauses führen auf ein weitläufiges Areal mit ausreichend Platz zum Spielen und Toben. Auch die wichtigen Kontakte zu anderen Hunden sollen nicht zu kurz kommen. Die Gruppenhaltung fördert die Resozialisierung. Der geplante Neubau besteht aus drei Häusern, davon ein Seniorencenter mit zwölf Stuben, ein Center für die Gruppenhaltung mit sechs Stuben und ein Trainings- und Therapiecenter mit zwölf Stuben - alle mit Übergang zu den großen Hundewiesen.

Bitte unterstützen Sie uns beim Bau unseres neuen Hundetrainings- und Rehabilitationszentrums
mit einer Spende.
Konto des Tierschutzvereins für Berlin: 35600105, Postbank Berlin, BLZ 100 100 10
Verwendungszweck: Neubau Hundehaus

Fotos:TVB/Jürgen Köster/Marcel Gäding