Inker führt sicher an jedem Hinderniss vorbei

Die tollen Tricks von Trainerin Inka

und Blindenführhund Inker

Text: Thomas Böhm/ Fotos: Sönke Tollkühn

Inker Malou, 4, gehorcht auf Italienisch und kann links von rechts unterscheiden. Aber das ist kein Wunder, die Polnische Niederungshütehündin hat eine zweijährige Ausbildung als Blindenführhund hinter sich und dabei knapp 50 Kommandos in dieser Sprache gelernt - damit sie sich durch das Gerede der anderen um sie herum nicht irritieren lässt. Jetzt hilft sie ihrer Besitzerin, der Tierpsychologin Inka Bürger, 31, bei der Arbeit in ihrer Assistenzhundeschule Berlin. Inker hat ein ausgeglichenes Wesen und ist sehr intelligent - gute Voraussetzungen also, eine solch verantwortungsvolle Position zu übernehmen. Tausend Tölen zeigt sie, was sie alles gelernt hat. 

Bodenlöcher, Baustellen, Baumstümpfe - für einen Blinden sind das gefährliche Hindernisse, aber mit Hilfe seiner aufmerksamen Hündin kann er ihnen problemlos ausweichen. Inker wurde sogar dazu trainiert, sich vor jeder Stufe schräg vor den Halter zu stellen, egal ob Treppe oder Bordstein. So schützt sie Ihren blinden Besitzer vor Stürzen und Verletzungen.
Bürger: „Wir arbeiten mit einem Führgeschirr. Wenn Inker hineinschlüpft, bedeutet das für sie: Die Arbeit beginnt. Außerdem wird sie damit ‚virtuell‘ 1,80 Meter groß und 1,50 breit und hält so genügend Abstand zu den Hindernissen." Als Inker ein Jahr alt war, hat sie die Arbeit im Geschirr gelernt. Mittlerweile findet sie selbstständig einen Weg um jedes Hindernis.Inker stellt sich an den Stufen vor den Menschen, das verhindert StürzeInker kann aber noch viel mehr. Sie bringt den Blinden sicher und direkt zu bestimmten Zielorten wie Bank, Supermarkt, Geldautomat, Briefkasten und Ampel. Für jeden einzelnen Ort erhielt Inker ein spezielles Kommando, so lernte sie zu unterscheiden. Trainiert wurde das Zielführen mit Hilfe des Clickertrainings.
Bürger: „Wenn Inker vor dem Ziel stehen bleibt und es mit ihrer Schnauze berührt oder hoch springt, wird sie mit einem „Click" bestätigt. Hat sie dies gelernt, wird das passende Kommando z.B. „Banca" gegeben und sie erhält ein Leckerli."
Natürlich kann nicht jeder Blinde einen Führhund halten. Er muss ein Tierfreund sein und seinem Vierbeiner nach der „Arbeit" Freizeit und soziale Kontakte ermöglichen. Bürger: Mit Inker ist Geldabheben kein Problem„Körperliche Fitness und ein guter Orientierungssinn sind ebenfalls wichtig. Zur Ausbildung gehört das Training mit dem späteren Halter dazu. Er muss schließlich die Führkommandos geben und das Handling beherrschen. Er bleibt Rudelführer, selbst wenn der die Führung abgibt. Nur in Ausnahmesituationen, wenn der Mensch z.B. ein herannahendes Auto nicht wahrnimmt, darf ihm der Hund den Gehorsam verweigern - und ihn damit vor der Gefahr schützen."
Auch wenn Hund und Halter nach einer Gewöhnungszeit perfekt harmonieren - sie sind auch auf die Unterstützung der anderen angewiesen. Bürger: „Wenn ein Blindenführhund im Geschirr ist, bitte nicht streicheln oder füttern. Er muss sich auf seine Arbeit konzentrieren. Und wenn jemand einen Hund hat, sollte er ihn anleinen. Gespielt wird nach der Arbeit."
Info: Ein ausgebildeter Blindenführhund kostet in der Anschaffung ab 15.000 Euro (nach oben hin offen). In einigen Fällen übernimmt die Krankenkasse diese Kosten.

Mehr Infos unter www.ahs-berlin.de.tl