Hundepolitischer Abend in WiesbadenVom Wesenstest zur Halterschulung

Am Donnerstag, den 26.08.2010, fand der "Hundepolitische Abend" mit den beiden pet-group Experten Günther Bloch und PD Dr. Udo Gansloßer im hessischen Landtag in Wiesbaden statt. Zweck dieser Veranstaltung war es, den Dialog zwischen Politik und Öffentlichkeit zu fördern, damit die Landesregelungen zur Gefahrenabwehr gegenüber gefährlichen Hunden auf den Prüfstand gestellt werden. Organisiert wurde der Abend durch die SPD-Fraktion im Hessischen Landtag mit Unterstützung des Landestierschutzverbandes Hessen und des Tierschutzvereins Wiesbaden. Der dafür vorgesehene Plenarsaal war für die knapp 300 (!) gekommenen Zuhörer zu klein. Darum zog die Veranstaltung in die unteren Etagen, die Empfangshalle. 

Ein wenig verspätet, um 19:15 Uhr, begrüßte Frau Dr. Judith Pauly-Bender von der SPD Landtagsfraktion die Gäste und Referenten. Sie legte besonderen Wert darauf zu betonen, dass die Veranstaltung parteiübergreifend zu verstehen ist. Anwesend für die Grünen war Frau Ursula Hamann, die ebenfalls einige Worte an die Zuhörer richtete und zu einem wichtigen, politischen Termin einlud - eine tierschutzpolitische Anhörung im Hessischen Landtag am 24. September 2010 um 19.00 Uhr. Ebenfalls unter den Zuhörern waren MdL Kollege aus dem Hessischen Parlament Herr Ewald Roth und die langjährige frühere Vizepräsidentin a.D. Veronika Winterstein. Frau Dr. Pauly-Bender feute sich außerdem besonders über die zahlreich erschienenen Vertreter verschiedener Organe rund um den Hund: Tierschutzvereine und Organisationen, Tierheime, Tierärzte, Therapeuten, Hundeschulen, medialer Tierschutz, Wesenstester, Polizeihundestaffel, kommunale Ordnungsbehörden, Hundesport, der VDH und der Landestierschutzbeirat waren anwesend.Vortrag von Herrn PD Dr. Udo Gransloßer

Nach der Begrüßung begann Herr PD Dr. Udo Gransloßer mit seinem Vortrag. Er kritisierte vor allem die Methodik und Inhalte der derzeitigen Wesenstests. Kurzweilig und unterhaltsam erläuterte er die gängige Vorgehensweise für Verhaltenstests in der Ethologie und machte damit deutlich, dass ein Wesenstest für Hunde in der Form, in der dieser zur Zeit besteht, hinfällig ist. Weiterhin thematisierte er die Wichtigkeit und Komplexität der verschiedenen Persönlichkeitsformen von Hunden, die bei den momentan gängigen Tests nicht berücksichtigt wird. Außerdem spiele das Alter eines Hundes und die Eigendynamik des Hund-Mensch Teams für das Resultat eines Wesenstest eine erhebliche Rolle. Mit diesen Aussagen kam Herr Dr. Gansloßer zu dem Schluss dass es kaum möglich sein wird, ein sinnvolles Testverfahren in eine vollziehbare Verwaltungsvorschrift zu gießen. Darum macht es Sinn, über andere Möglichkeiten zum Schutz der Bürger vor "gefährlichen" Hunden nachzudenken.

Günther Bloch am RednerpultNach einer kurzen Pause wurden die Zuhörer Zeuge des leidenschaftlichen, jedoch fachkompetenten Einsatzes von Herrn Günther Bloch als Sprachrohr für das jahrtausendealte Kulturgut des Menschen, den Hund. Er freute sich besonders darüber, dass es in Deutschland politisch gesehen endlich in Richtung Hund geht. Herr Bloch stellte direkt zu Beginn richtig, dass er als Hundehalter nicht gegen den "Menschenschutz" sei. Trotzdem ist er für die Abschaffung der Rasselisten. Denn laut einer "Milchmädchenrechnung" von Herrn Bloch gibt es pro Tag ca. 11 Millionen potentiell gefährliche Situationen pro Tag. Die Vorfälle mit Hunden wären statistisch gesehen also eigentlich irrelevant. Weiterhin sagte Herr Bloch, dass die eingeführten Verordnungen zum Gefahrenschutz über die Jahre hinweg keine Vermeidung von Beißvorfällen brachten sondern die Zahl der Beißvorfälle um mehr als das Doppelte gestiegen ist. Auch er kam zu dem Schluss, dass diese Verordnungen, die die Lebensqualität von Hunden verschlechtern und den Menschenschutz nicht gewährleisten, überdacht werden müssen. Herr Bloch machte auch Vorschläge zur Veränderung, wie die Einführung von Halterschulungen VOR dem Kauf eines Hundes, die Einführung von angemessen großen, eingezäunten Auslaufflächen in städtischen Gebieten sowie eine Maulkorbregelung ohne Leinenzwang. Wichtig für eine positive Veränderung der jetzigen Situation wäre jedoch ebenfalls die Verantwortung der Hundebesitzer im öffentlichen Raum. Abschließend forderte Herr Bloch die Hundehalter dazu auf, ihr Recht auf Mitsprache in der Demokratie Deutschland zu nutzen, um eine Veränderung zu erreichen.

Nach den Schlussworten von Herrn Dr. Hans-Jürgen Kost-Stenger vom Landestierschutzverband Hessen übernahm Frau Henriette Hackl vom Tierheim Wiesbaden die Moderation der Diskussionsrunde. Viele Wortmeldungen zum Thema Wesenstest und Wesenstester, Statistiken und die Verantwortung der Hundehalter wurden von den pet-group Experten sowie den anderen Beteiligten bereitwillig beantwortet, bis die Zeit weitere Fragen nicht mehr zuließ.

So endete dann um 22:15 Uhr ein äußerst erfolgreicher Abend, der hoffentlich Beginn eines Umdenkens nicht nur in Hessen sondern deutschlandweit sein wird. Ein vorläufiges Ergebnis des Abends ist jedenfalls schon das Wiesbadener Manifest mit der Forderung der Abschaffung von Rasselisten und dem Einführen eines Halterkundenachweises mit dem Ansatz des Menschenschutzes am "anderen Ende der Leine", welches hier eingesehen und zur Unterschrift heruntergeladen werden kann.

Mehr Infos unter: http://www.pet-group.de/index.php/aktuelles/198-hundepolitischer-abend-wiesbaden