Wie ein Geist zieht Lilly über den TierfriedhofLilly - der gute Geist vom Tierfriedhof

Text: Thomas Böhm/ Fotos: Marilla Slominski, Sönke Tollkühn

Es ist noch still auf dem Tierfriedhof in Steglitz. Nur Lilly schnuppert aufgeregt zwischen den fantasievoll geschmückten Gräbern herum. Irgendwo muss doch ihr Ball sein. Was da sonst in Frieden ruht, interessiert die belgische Schäferhündin nicht. Als Hütehund passt sie lieber auf, dass hier nichts verloren geht.
Seit über zehn Jahren lebt Lilly in dieser Idylle als vierbeiniger Partner von Friedhofschef Richard Mitschke. Sie  ist immer in der Nähel, wenn er Gräber aushebt oder pflegt. Als sie als Welpe zur Familie kam, war sie verwahrlost, unterernährt. Die Vorbesitzer hatten Lilly schlecht behandelt und eigentlich hatte ihr der Tierarzt keine Überlebenschancen gegeben. Aber mit viel Liebe, Arbeit, Geduld und Milupa Babybrei konnten Richard die Kleine aufpäppeln. Jetzt weicht sie nicht von seiner Seite.

Mitschke: „Sie verlässt den Friedhof nur, wenn sie bei mir im Auto sitzen kann, wenn ich verstorbene Tiere vom Arzt oder vom Halter abhole."Lilly hat hier alles unter Kontrolle
Nachdem Lilly ihre erste Runde beendet hat, hockt sie sich erwartungsvoll an den Eingang und begrüßt fröhlich ein paar Trauergäste. Ein kleines Lächeln huscht auf das tränenüberströmte Gesicht eines Mädchens. Lilly begleitet sie des Weges und stupst sie dabei immer wieder freundlich an.
Mitschke: „Lilly ist bei allen Beerdigungen dabei. Oft tröstet sie einfach durch ihre bloße Anwesenheit die Menschen. So ist sie unser Therapiehund geworden. Sie ist ausgesprochen gutmütig, geht freundlich auf jeden Zweibeiner zu, ohne sie zu bedrängen. Sie ist neugierig und hofft natürlich auch, dass in einem raschelnden Blumenpapier ein Leckerli für sie ist. Allein ihre Anwesenheit hilft vielen, über ihre Trauer hinwegzukommen und diese zu verarbeiten. Bei späteren Besuchen fragen sie nach Lilly."
Aber auch wenn Lilly immer fröhlich ist - sie weiß, was um sie herum passiert. Als die Mitschkes 2002 ihren Dobermann einschläfern lassen und hier auf dem schönen Friedhof begraben mussten, hat sie um ihren Kumpel mitgetrauert, saß tagelang vor seinem Grab.
Mitschke: „Ich glaube daran, dass Hunde ebenfalls trauern können. Ich habe im Fernsehen gesehen, wie ein Wolfrudel von einem ihrer Gefährten Abschied nahm. Das war schon sehr beeindruckend."
Die Trauergäste haben ihr Tier zu Grabe getragen und verlassen den Friedhof. Mit ihren Erinnerungen an das verstorbene Tier, aber auch mit Erinnerungen an Lilly. Die Schäferhündin ist jetzt müde und döst eine Runde in der Sonne, gleich in der Nähe des frischen Grabes.
Lilly ruht an einem Grab