Steunende Hunde werden im Süden Europas eingefangen und getötetEuropas Hunde sollen registriert werden!

Mit Unterstützung der EU-Kommission wollen Tierschützer Standards für die Kastration und Registrierung wildlebender Hunde einführen. Auf diese Weise soll der Hunde-Überbevölkerung bis 2015 Einhalt geboten werden. «Wir fordern eine Kultur der Verantwortlichkeit», sagte Marlene Wartenberg, Geschäftsführerin der Tierschutzorganisation «Vier Pfoten», in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Brüssel.

Das bedeutendste Ziel besteht darin, jeden in Europa lebenden Hund in ein Register einzutragen. So wäre eine Rückverfolgung zu den Haltern möglich. Die 58-jährige Tierschützerin sitzt in einem Ausschuss der EU-Kommission, der neue Regeln entwickelt. Im kommenden Jahr wollen die Mitglieder erste Vorschläge vorlegen. 

Den Plänen müsste die EU-Kommission zustimmen, genau wie später das Europaparlament und die 27 Mitgliedsländer. «In fünf Jahren sollten wir die neuen Gesetze dann haben, das ist möglich», sagte Wartenberg. Neben der europaweiten Registrierung erhoffen sich die Tierschützer durch systematische Kastration auch eine Geburtenkontrolle. «Mit diesem Maßnahmenpaket wollen wir die Situation der Tiere grundlegend verbessern. Der derzeitige Zustand ist nicht akzeptabel.»

Vor allem in südlichen und östlichen EU-Ländern wie Spanien, Griechenland oder Portugal gibt es massenhaft streunende Hunde. Das Aussetzen der Tiere führt weltweit zu unkontrollierter Vermehrung. In einigen Regionen werden heimatlose Hunde brutal getötet. «Das ist leider alles andere als eine Ausnahme und weder ethisch wünschenswert noch wirtschaftlich sinnvoll», sagte Wartenberg. Ähnliche Probleme gebe es mit herrenlosen Katzen.

In Deutschland ist das Problem an überfüllten Tierheimen zu erkennen. Das kostet Steuergelder in Millionenhöhe. Pro Jahr kommen rund 100 000 neue Hunde in die Heime. In der Bundesrepublik haben laut Untersuchungen etwa 10 Millionen Menschen zumindest einen Hund im Haushalt. Die Anforderungen an die Halter sind aber von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Nach Erhebungen sind von weltweit etwa
600 Millionen Hunden gut 80 Prozent unerwünscht, erklärte Wartenberg. «Das macht das Ausmaß des Dilemmas deutlich.»