Die Bundessiegersuche 2010


Rauhaardackel Erbse nimmt in einem Wundbett die Spur aufErbse macht den Jagdschein

Text: Thomas Böhm/Fotos: Sönke Tollkühn

Chorin ist bekannt wegen seiner klösterlichen Idylle, doch heute erschallt den ganzen Tag aufgeregtes Gebelle zwischen den mittelalterlichen Mauern. 17 Dackel sind aus allen Teilen Deutschlands angereist, um bei der Bundessiegersuche ihr Bestes zu geben. Dieser Leistungsvergleich fordert alles von den kurzbeinigen Jägern, die Schweißjagd ist die schwerste aller Prüfungen.
Erbse, eine 3-jährige Rauhaardackel-Hündin geht mit Frauchen Anette Kitz, 42, als eine der letzten an den Start. Bereits 20 Stunden vorher hat die Chefin des Teckelklubs 1888 e.V., Marion Michelet, die Fährte gelegt.
„Mit einem Schwamm habe ich gestern insgesamt ¼ Liter Blut auf den Waldboden getupft. Die Strecke ist 1000 Meter lang, der Hund hat 1 ½ Stunden Zeit, um das verendete Rehwild zu finden. Wir werten aber nicht die Schnelligkeit sondern den Finderwillen, die Sicherheit und Selbstständigkeit der Suche. Wer die meisten Punkte erzielt, ist der Sieger."

Erbse zieht ungeduldig am 10 Meter langen Schweißriemen, schnüffelt am ersten mit Rehhaaren ausgelegten Wundbett herum und nimmt von dort ganz schnell die Fährte auf.
Michelet: „Diese Prüfung ist realitätsnah. Wenn ein Wild angefahren wurde, schleppt es sich oft verletzt in den Wald. Irgendwo legt es sich hin, um sich auszuruhen und neue Kraft zu schöpfen. Dort verliert es mehr Haare und Blut als unterwegs. Das nennen wir Wundbett. Anschließend wechselt es sehr oft die Richtung. Auf der gesamten Strecke habe ich noch drei weitere solcher Stellen präpariert."Fix und fertig, aber fröhlich. Dackel Erbse hat die Prüfung bestanden
Erbse hat keine Probleme, dem Schweißgeruch zu folgen, obwohl hier in den Choriner Wäldern jede Menge anderes Schalenwild unterwegs ist. Viele seiner Konkurrenten sind heute gescheitert, weil sie sich von „Verleitfährten" haben ablenken lassen. Wenn der Hundeführer drei Mal dem Hund „auf die Sprünge" hilft, werden beide disqualifiziert. Drei Richter begleiten die Hundeführerin auf der ganzen Strecke, verteilen laufend Punkte.
Erbse lässt sich nicht beeindrucken, folgt konzentriert der Fährte und hat nach knapp einer Stunde das Stück Rehwild gefunden. Sie darf kurz greifen (reinbeißen), dann wird sie abgerufen und bekommt ein besonderes Leckerli. Das ist das Tauschgeschäft zwischen Jäger und seinem verlängerten Arm. Michelet: „Der Dackel wird genossen gemacht."
Erbse hat das Stück Wild gefunden.Die Richter blasen nun ins Horn, erweisen dem totem Reh die letzte Ehre. Erbse bekommt Eichenlaub ans Halsband gesteckt, er wurde mit 100 Punkten Zweiter. Anette Kitz ist glücklich und stolz und ihr Dackel, der ist nur hundemüde.
Infokasten
Eine Ausbildung zum Jagdhund dauert beim Dackel 2-4 Jahre. Geprüft werden die Anlagen wie 1. Der Spurlaut - der Hund muss bellen, wenn er eine Spur gefunden hat, ohne das Wild zu sehen. 2. Die Wasserfreude, 3. Die Raubwildhärte - Der Hund muss in einen Bau gehen und dort bellen, ohne dem Wild zu nahe zu kommen.
Dressurleistungen: 1. Stöbern - in einem geschlossenen Wald Wild suchen und finden und es auf eine Lichtung treiben, 2. Gehorsam - Sitz, Platz, Fuß, ablegen, nicht zerren, nicht winseln und beim Schießen nicht flüchten. 3. Schweißarbeit (siehe Reportage). Ein ausgebildeter Dackel ist mindestens 3000 Euro wert.