Die Schweizer wollen dem Wolf wieder auf den Pelz rückenSchweiz: Der Wolf wird wieder gejagt!

Der Wolf soll in der Schweiz nicht geduldet werden - wenn er sich artgerecht verhält. Die große Kammer des Schweizer Parlaments sprach sich am Donnerstag mit Mehrheit dafür aus, dass das Raubtier wieder zum Abschuss freigegeben werden kann. Nachdem dies zuvor auch von der kleinen Kammer so beschlossen wurde, ist nun die Regierung am Zug. Wölfe gibt es in der Schweiz erst seit etwa 1995 wieder. Ihre Population liegt bei 15 bis 20 Tieren.
Hintergrund ist die Klage von Schaf- und Rinderzüchtern, die in die Schweiz eingewanderten Wölfe töteten ihre Tiere nicht, weil sie Hunger hätten sondern aus Jagdtrieb. In einer emotionalen Debatte verwies der scheidende Umweltminister Moritz Leuenberger vergeblich darauf, dass der Wolf eine Bereicherung für die Natur sei und wichtig für die Artenvielfalt.

Beeindruckt von der unnachgiebigen Züchterlobby soll die Schweizer Regierung nun nach dem Willen des Parlaments das europäische Übereinkommen zum Schutz von Wildtieren kündigen, das ausgerechnet „Berner Konvention" heißt. In einem zweiten Schritt soll die Schweiz dem Übereinkommen wieder beitreten, dabei aber einen Vorbehalt zum Schutz des Wolfes anmelden.
Parlamentarier, die Bergregionen vertraten, beklagten die vermeintliche Naivität der Städter. Diese neigten zu einem „pseudoökologischen Verhalten". Das Unverständnis zwischen Stadt und Land werde immer größer, andere sprachen von einer „erstaunlichen Tierromantik". Die Wölfe seien nämlich Schuld, dass eine effiziente Alpbewirtschaftung mit Schafen nicht mehr möglich sei.
Und auch bei der Statistik klafft eine Lücke: So sind nach Angaben der Wolfsgegner im vergangenen Jahr in der Schweiz 360 Schafe durch Wölfe gerissen worden. Leuenberger wusste nur von rund 100 Schafen, die die 15 in der Schweiz lebenden Wölfe getötet hätten. Nach offiziellen Schätzungen sterben aber etwa 250000 Schafe im Jahr auf Schweizer Alpen an Krankheiten, Unfällen, Blitzschlag oder Abstürzen. (Quelle: dpa, Foto: Stürzbecher)