Von klein auf an zusammen: Hündin Shiva und Katze MiniWau! Hund liebt Katze!
Zwei Freunde müsst ihr sein

Text: Kerstin Butenhoff/ Fotos: Marilla Slominski
Vorspann: Thomas Böhm

Die Geschichte von der portugiesischen Hündin Shiva und der Katze Mini ist vielleicht einmalig. Als Shiva gerade mal ein Jahr alt war, brachten wir ihr sieben Katzenbabies nach Hause, die wir in einer Mülltonne gefunden hatten. Shiva, die gerade kastriert worden war, adoptierte die zappeligen und quietschenden "Würmer" sofort, half rührend bei Aufzucht und Pflege. Sechs Katzen konnten wir erfolgreich vermitteln. Die kleinste aber ,Mini, blieb bei ihrer Adoptivmutter. Noch heute tanzt die Katze der Hündin auf der Nase herum, darf sich als "Kind" alles erlauben. Shiva und Mini sind unzertrennlich. Aber ist das normal?

Verhalten sich zwei Menschen „wie Hund und Katz", können sie sich nicht leiden. Doch auch Hund und Katz können dicke Freunde werden. Wir erklären, wie man das schafft. 
Haben die beiden Tiere noch keine schlechten Erfahrungen mit der anderen Gattung gemacht, ist eine Gewöhnung eigentlich recht einfach. Wichtig ist, die Situation in Ruhe und mit Geduld anzugehen. Hat sich bei den Vierbeinern erst einmal eine Aversion gegen den Mitbewohner aufgebaut, wird es wesentlich komplizierter, Ruhe in den gemeinsamen Haushalt zu bekommen.
Der Grund: „Hunde und Katzen sind Raubtiere, verhalten sich jedoch anders", erklärt Tierärztin Jeanette Koepsel (42). „Schnurren bedeutet bei Katzen Wohlfühlen, Knurren bei Hunden ist eine Drohgebärde. Umgekehrt ist Schwanzwedeln beim Hund ein Ausdruck von Freude, das Schlagen des Schwanzes der Katze ein Zeichen von Wut." Wie aber lernen die Tiere nun die Sprache des anderen? „Mit viel Geduld, Zwang ist kontraproduktiv", sagt die Tier-Verhaltenstherapeutin. „Man muss die Tiere in Ruhe auf einander zukommen lassen, darf sie nicht dazu zwingen. Setzt man sich auf den Boden, streichelt sie oder spielt mit ihnen, kommen sie sich langsam näher."

Eine gute Möglichkeit, Hunde und Katzen aneinander zu gewöhnen, ist die Fütterung. "Dazu sollte man beide Näpfe in ein Zimmer stellen", erklärt Koepsel. "Dann füllt man zeitgleich Futter ein, setzt sich zwischen die Schüsseln. So lernen die Vierbeiner, dass sie keine Nahrungskonkurrenten sind, sich nicht bedrohen müssen. Manchmal hilft es auch, den Futternapf der Katze etwas höher zu stellen, damit sie dort nicht gestört wird.
"Wichtig auch: Die Tiere brauchen Rückzugsmöglichkeiten. "Für Katzen sind Kletterbäume ideal, hier kommen Hunde nicht hinterher, wenn sie doch mal auf die Idee kommen, die Katze jagen zu wollen", so Koepsel. "Andererseits brauchen auch Hunde ein Körbchen oder eine Hütte, die Katzen als tabu akzeptieren sollten." Je mehr Platz die Tiere zum Ausweichen haben, desto besser funktioniert die Gewöhnung. "Enge und Zwang führen am ehesten zu Verletzungen", so die Tierärztin. "Wenn sich Hund und Katz die ganze Zeit belauern, kann es schon passieren, dass der eine oder andere mal zubeißt oder mit der Tatze zulangt." Idealerweise bekommen am Anfang beide Tiere ein eigenes Zimmer, aber noch keinen Kontakt, so dass sie sich einige Tage an Geräusche und Geruch des Mitbewohners gewöhnen können. Dann bringt man die Tiere jeweils minutenweise mit dem anderen zusammen und beobachtet das Verhalten. Sicherheitshalber kann man den Hund anleinen, um schneller eingreifen zu können, falls er doch zu stürmisch auf die Katze zugeht. Diese Momente kann man immer weiter ausdehnen. Wichtig ist jedoch, die Tiere anfangs auf keinen Fall allein zu lassen.
Auch die Auswahl der richtigen Charaktere kann die Eingewöhnung der beiden Vierbeiner erleichtern. Ein älterer Hund wird von einer jungen verspielten Katze vielleicht nicht sehr begeistert sein. Eine ältere Katze hat aber bestimmt ebenfalls Probleme mit einem quirligen, lauten Welpen. Schlafen in einem Bett: Mini und Shiva
Am besten funktioniert die Gewöhnung, wenn beide Tiere schon als Welpen Umgang mit der anderen Art haben. "Doch auch ältere Hunde oder Katzen können die Körpersprache des anderen lernen", beruhigt Koepsel. "Das dauert dann nur etwas länger."