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Wieder ein tolles Hundebuch
„Meine schönsten Hundegeschichten" Das ist der Titel des Buches der berühmten Sopranistin Eva Lind, die - stets begleitet von mindestens einem Vierbeiner - auf ihren Konzertreisen viele lustige, kuriose, aber auch rührende Geschichten erlebt hat, bei denen nicht zuletzt auch viele ihrer prominenten Kollegen beteiligt waren. Auf sehr ansprechende Weise erzählt sie hier die interessantesten und ungewöhnlichten dieser Erlebnisse. Tausend Tölen veröffentlicht eines der wunderbar erzählten Storys:
Pantelleria ist eine wunderschöne italienische Lava-Insel. Kurz entschlossen machte ich im tristen November dort vor ein paar Jahren einen fünftägigen Kurzurlaub. Das Wetter war für die Jahreszeit, wie man so schön sagt, zu kühl, aber immer noch besser als der Schneeregen in der Heimat. Nach einem leckeren Abendessen ging ich mit meinem Hund Wendy spazieren. Es war noch relativ warm - vielleicht 15 Grad. Ich bemerkte, dass uns ein Husky nachlief. Wendy, die sich sonst für andere Hunde überhaupt nicht interessiert, war sofort Feuer und Flamme für unseren neuen Freund. Beide verstanden sich gut - und so begleitete er uns. Irgendwann rief ich dem Husky zu, Der Hund schien kein Zuhause zu haben. Er blieb an uns dran, lief uns sogar bis ins Hotel nach. Er ließ sich nicht abwimmeln und ging mit auf unser Zimmer.
Dort angekommen, sprang er sofort aufs Bett. Aha, dachte ich mir, das darf er bei seinem Besitzer wohl auch immer, sonst würde er das jetzt nicht gleich tun. Nur, wer war sein Besitzer?! Ich hatte den Verdacht, dass es ein Tourist sein musste, der ihn hier auf Pantelleria ausgesetzt hatte. Denn ein Husky war nicht gerade der Haus- und Hofhund, den sich die Einheimischen hier halten würden. Außerdem hatte er kein Hundehalsband, keine Marke, nichts. Als ich ihm Hundefutter hinstellte, hätten sie ihn sehen sollen. Sein Hunger war so groß, dass er den Fressnapf gerne noch als Nachspeise mitgegessen hätte.
Ich war mir sicher - und so gut kenne ich die Vierbeiner - das musste ein armer Hund sein, ein Findling, der schon länger nichts mehr zwischen die Zähne bekommen hatte. Heute sagt man Straßenhund dazu. Also blieb der Husky über Nacht bei uns. Am nächsten Morgen waren die beiden immer noch unzertrennlich - und Wendy schien unglaublich glücklich mit ihrem neuen Freund. Das freute mich natürlich sehr - und auch der Husky schien zu sagen: „Bitte, setz mich nicht wieder
aus. Ich bin so froh, Euch zu haben!"
Das erweichte natürlich mein Herz - und als „Mutter Teresa" der Hunde entschloss ich mich, diesen Husky mitzunehmen. Hierlassen, das kam für mich einfach nicht mehr in Frage. Also fing ich an zu organisieren. Welche Papiere würde ich brauchen? Musste ich vorher zum Arzt? Ich besprach mich mit meiner kleinen Reisegruppe, mit der ich da war. Ich stellte mich sogar auf eine Zwischenlandung auf dem italienischen Festland ein, um alle Formalitäten mit dem Husky regeln zu können.
Es ist einfach ein tolles Gefühl, einen herren- und heimatlosen Hund zu retten. Ich war voller Energie - und wusste, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Der Husky und Wendy bestärkten mich: Die beiden hatten sich unglaublich lieb und spielten den ganzen Tag miteinander. Mir fiel der Film „Ein Herz und eine Seele" ein, so harmonierten die beiden.
Jetzt stand es felsenfest: Ich würde den Husky mitnehmen nach Österreich. Komme, was wolle - und egal, wie schwierig der „Hunde-Export" mit den italienischen Behörden auch sein würde. Bei uns würde er es besser haben.
Apropos italienische Behörden. Es war jetzt höchste Zeit, aktiv zu werden. Ich rief bei der Inselverwaltung an und telefonierte gerade mit meinem besten Italienisch, das ich zu bieten hatte, da kam ein Kellner an meinen Tisch und fragte: „Hat der Hund bei Ihnen übernachtet?!"
Ich deutete ihm an, dass ich mein Gespräch zu Ende führen müsste. Das tat ich auch - und danach sagte ich glücksstrahlend zu ihm: „Ja, das hat er. Der Husky hat bei uns übernachtet. Und ich werde ihn nach Österreich mitnehmen, dann hat er wieder ein Zuhause! Sie müssen sich keine Sorgen machen, ich regle alles im Moment!"
„Nun ja", druckste der Kellner herum, „ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, Signora. Wissen Sie, wem dieser Hund gehört?!" „Nein", antwortete ich wahrheitsgemäß. „Er gehört Signore Armani!" „Aha", sagte ich völlig verduzt. Nun gut, welcher Herr Armani? War das sein Besitzer, der ihn ausgesetzt hatte? Der Kellner merkte, dass ich es immer noch nicht verstanden hatte: „Ich spreche von Giorgio Armani! Dem berühmten Modeschöpfer! Es ist sein Hund!" Ich begann in Zeitlupe zu begreifen. Der Kellner erklärte mir: „Der Husky gehört ihm und lebt in Armanis Ferienhaus - das Hausmeister-Ehepaar passt allerdings nicht so richtig auf ihn auf. Daher ist er immer unterwegs - streunt den ganzen Tag herum. Alle kennen ihn hier auf der Insel. Vertrauen Sie mir, Signora, es ist der Hund von Giorgio Armani!" Ich glaube, wenn das Rotsein nicht schon erfunden worden wäre, ich hätte es an diesem Tisch
„Erde, bitte tu Dich auf", dachte ich mir noch, aber wenn man die Vulkane in Italien schon mal braucht, dann sind sie natürlich nicht aktiv...!!
Ich hätte also beinahe - um ein Hundehaar - den Husky von Giorgio Armani einfach so nach Österreich verschleppt! Mir schoss die Schlagzeile aller italienischen Gazetten und der österreichischen Kronenzeitung
schon durch den Kopf: „Skandal! Eva Lind entführt Hund von Armani!"
Statt Lösegeld gab ich dem Kellner das größte Trinkgeld meines Lebens. Ich bedankte mich mit einem großen Tip für seinen kleinen, aber entscheidenden Tipp!
Wenn ich seither einen herrenlosen Husky sehe, frage ich immer als Erstes nach, ob er vielleicht Ralph Lauren oder Karl Lagerfeld gehört!
„Meine schönsten Hundegeschichten" von Eva Lind ist im Aquensis Verlag Baden-Baden erschienen (104 Seiten, zahlreiche Fotos, Hardcover, ISBN 978-3-937-978-65-9) und kostet 19,80 Euro im Buchhandel.
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