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Das große TT-Interview
Woran man einen guten Hundetrainer erkennt
T.T. Warum gibt es so viele Hundetrainer? Sind die Hunde von heute alle so unerzogen? Oder wird heute mehr auf Erziehung geachtet als früher?
In unserer heutigen Zeit, in der alles immer schnelllebiger und hektischer wird, wachsen natürlich auch die Ansprüche an unsere Hunde. Die meisten Menschen haben nur noch wenig Zeit für Ihre Hunde (aus meiner Sicht nehmen sie sich nicht die Zeit) und selbst wenn, dann werden Sie mit ,,Erziehungsmaßnahmen" überschüttet, so dass sie gar nicht mehr wissen was nun der richtige Weg für sie und ihren Hund ist. Und genau aus dieser Unsicherheit vieler Hundebesitzer heraus hat sich das Angebot an Hundetrainern und Hundeschulen in den letzten Jahren enorm stark Entwickelt. Dieser Entwicklung stehe ich sehr Skeptisch gegenüber. Unumstritten ist der Bedarf an professionellen Hundetrainern groß, aber leider kann sich heute auch jeder Hundetrainer nennen. Er meldet sein Gewerbe an und fertig - der ,,Profi" ist da!
T.T. Wer hat uns eigentlich eingebläut, dass Hunde in die Schule müssen? Früher haben Sie einfach einen Tritt gekriegt und gut war!
Nun, in den letzten Jahrzehnten ist doch ganz klar zu erkennen, dass der Hund immer mehr als Sozialpartner Einzug in den Familien genommen hat. Der Hund ist heute nicht mehr das was er früher war, vor 30 oder 40 Jahren. Heute wird der Hund sogar als Kinder- oder Partner-Ersatz gehalten. Das ist auch in Ordnung so, wenn der Hund dabei noch Hund bleiben darf. Doch wir Menschen nehmen dem Hund heute viele natürliche Ressourcen. Zum Beispiel soll er nicht Jagen, Bellen, uns nicht anspringen, etwas hüten, bewachen usw. Und genau aus diesem Grunde ist es wichtig, den Hund artgerecht und selbstverständlich auch rassespezifisch auszulasten. Wie das geht und wie ein harmonisches Zusammenleben funktionieren kann, das sollte eine gute Hundeschule dem Hundebesitzer zeigen und erklären können. Den Hund einen Tritt geben und fertig ist absurd. Woher nimmt sich der Mensch überhaupt das Recht so mit einen Tier umzugehen? Jedes Lebewesen hat das Recht, dass man mit Ihm respektvoll und artgerecht umgeht. Leider gibt es noch heute Trainer, Hundeschulen und Vereine, die mit Hilfsmitteln wie Stachelhalsbändern, Tele-Takt Geräten und ähnlichen Hunde trainieren und dabei der Meinung sind, dies sei der richtige Weg. Ich persönlich verurteile diese Menschen aufs Letzte. Tierquälerei - egal aus welchen Gründen auch immer - darf nicht toleriert werden! Selbst für schwierigste Hunde gibt es Trainer und Resozialisierungsprogramme, um dem Hund wieder ein ,,natürliches" Leben zu ermöglichen.

T.T. Wer kann eigentlich Hundetrainer werden? Gibt es so was wie Zertifizierungen, Prüfungen etc.?
Jeder! Und genau das sehe ich als sehr kritisch an. Sehr viele junge Menschen sind nur aufgrund ihrer Liebe zum Tier der Meinung sie hätten sie das Zeug zum Hundetrainer. Das allein reicht aber bei Weitem nicht aus! Neben der Erfahrung, dem Umgang mit und dem Analysieren von Hunden sind beim Training vor allem der Umgang und das Coaching mit den Menschen im Vordergrund. Hundetrainer wird man nicht in drei Monaten oder einem halben Jahr. Theoretisches Wissen, viel Erfahrung, blitzschnelles Reagieren in allen Situationen, vorausschauendes Denken und vieles mehr sind nur einige unablässige Eigenschaften, die eine/n guten Trainer/in ausmachen. Eine gute und solide Trainerausbildung im Bereich unserer Familienhunde bedarf mindestens der Dauer von einem Jahr. Verhaltenstherapie, Problemhunde, Resozialisierungsprogramme usw. sind erst im Anschluss an diese Ausbildung möglich. Das ist meine ganz persönliche Meinung. Aber leider gibt es Institutionen in welchen man innerhalb von drei Monaten eine Ausbildung zum ,,Problemhundetherapeut" machen kann. Für mich ist das absolut unrealistisch und verantwortungslos. Menschen bekommen allein durch ihren Sachkundenachweis von staatlich anerkannten Sachverständigen die Aussage mit auf dem Weg, sie hätten jetzt das Zeug zum Hundetrainer/in. Die Folgen davon sind tagtäglich draußen zu sehen. Nicht zuletzt kommen die Menschen nach ihrem zehnmonatigen „Leckerchen-" oder ,,Wursttraining" zu uns, weil sie ihren Hund nicht mehr führen und lenken können.
Im Moment ist es noch so, dass es zu dem Beruf des/der Hundetrainer/in noch keiner besonderen Prüfungen bedarf. Die IHK Potsdam ist zurzeit die einzige Anlaufstelle in unserer Region, wo man einen bundesweit anerkannten Trainerschein ablegen kann. Eine interne Ausbildung zur/zum Trainer/in von professionellen Hundeschulen oder Institutionen mit entsprechendem Lehrplan in Theorie und Praxis ist ein guter Weg, um sich diesem Traumberuf zu nähern.
T.T. Woran erkenne ich einen guten Hundetrainer, wie verrät sich ein schlechter Hundetrainer? Zählen Sie bitte die wichtigsten Kriterien auf.
_Das ist für den Laien bei diesem Überangebot nicht so einfach. Bei einem guten Hundetrainer sollte der Mensch absolut im Vordergrund stehen. Er sollte auf die Bedürfnisse und Wünsche der Hundebesitzer eingehen können, dabei aber niemals den Bezug zum Hund verlieren. Trainingsabläufe sowie das tägliche Training sollten für jeden Hundebesitzer verständlich und somit auch umsetzbar erarbeitet werden. Nach meiner Philosophie muss zu allererst der Mensch gestärkt werden, denn nur mit der richtigen Einstellung wird dieser auch Erfolg mit der Erziehung seines Hundes haben. Natürlich spielen auch andere Faktoren eine sehr große Rolle, zum Beispiel systematisch aufgebaute Trainingsprogramme, Hundehalterschulungen, Seminare und vieles mehr. Gute und professionelle Hundeschulen haben einen eigenen Trainingsplatz. Aussagen wie ,,Wir kommen zu Ihnen, dorthin, wo die Probleme auftreten" sind für mich Ausreden. Dies soll nicht heißen, dass Hausbesuche schlecht sind. Ein guter Hundetrainer oder eine gute Hundetrainerin überschüttet die Hundebesitzer nicht mit Fachbegriffen und Fremdwörtern, sondern kann alles aus kynologischer Sicht nachvollziehbar erklären. Auch entsprechendes Infomaterial und Unterrichtsunterlagen bis hin zu Videoanalysen sind Indizien für eine gute Hundeschule. Und das aller wichtigste: Ein guter Trainer/ eine gute Trainerin kann alles mit dem eigenen Hund vorzeigen!
Was verrät nun einen schlechten Hundetrainer/in?
- Wenig Fachwissen
- Wenig praktische Erfahrung
- Kann auf Fragen der Hundebesitzer nicht fachgerecht eingehen
- Hält keine Rückfragen vor dem nächsten Trainingsbeginn
- Arbeitet nur nach Schema F
- Kann nicht auf den Hundebesitzer eingehen
- Manipuliert nur am Hund herum
- Trainiert mit Stachelhalsband oder Stromgeräten, Schlägen usw.
- Training nur auf dem Übungsplatz
- Er bildet sich nicht weiter und ist nicht offen für neues
- Gruppentraining mit mehr als 6 Hunden pro Trainer
- Unkontrollierte Welpenspielgruppen
- Er arbeitet in der Mensch-Hund-Beziehung mit Leckerli oder anderen Bestechungsmitteln
- Er lehnt bestimmte Rassen ab
- Eine Stunde Einzeltraining = 12 Euro (Professionalität hat ihren Preis)
Die Liste ist noch ewig erweiterbar, aber diese Punkte sollten Sie bei der Suche nach einer guten Hundeschule auf jeden Fall beachten.
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