Mit diesem Buchkauf unterstützen Sie den TierschutzLern endlich laufen...!

So lautet der Titel eines neuen Buches, geschrieben von den Tierschützern der Pfotenhilfe Ungarn.
In diesem Buch finden sich Geschichten von Hunden ohne Zuhause. Manche sind traurig, andere wieder mit Happy End, aber sowohl die einen als auch die anderen authentisch und real.
Geschrieben von den Besitzern der Hunde, die nicht immer literarisches Feingefühl zeigen, aber dafür ein umso größeres Herz.

Dieses Buch ist alljenen gewidmet, die auf den Straßen dieser Welt leben. Denjenigen, die täglich um ihr Leben kämpfen müssen, die keine Stimme haben, die gequält, geschlagen und gemordet ihren Glauben an das Gute im Menschen noch nicht verloren haben.

Das Buch kostet 15 Euro plus 2,20 € Versand.
Der Erlös kommt zu 100 % dem Tierschutz und den Projekten der Pfotenhilfe zu Gute, was sich von selbst versteht. Wir werden auch auf der Internetseite über den Verkaufserfolg berichten.
„Lernt endlich laufen" kann bestellt werden direkt über den Spendenshop der Pfotenhilfe: http://www.pfotenhilfe-ungarn-shop.de/shop/article_35/Lern-endlich-laufen...!.html?shop_param=cid%3D1%26aid%3D35%26

Tausend Tölen druckt exklusiv eines der schönsten Geschichten aus dem Buch ab!

 

Paul

Ich hab jetzt einen Namen. Mein Name ist Paul.
Wann ich geboren wurde, weiß ich nicht genau. Es muss
Ende der 90er Jahre gewesen sein. Wie ich auf diesen Hof
in Ungarn kam, weiß ich auch nicht mehr. Ich kann mich aber
noch an den Tag erinnern, als mir eine Kette um den
Hals gelegt wurde. Zuvor konnte ich frei auf dem Hof rumlaufen.
Dort gab es eine kleine Hündin. Die mochte ich gern.
Wir hatten auch einmal Nachwuchs. Bis auf die Eine haben
meine Menschen diese aber erschlagen. Diese Eine wurde
von meinem Engel gerettet. Ja, ich habe einen Engel.

Einen weiblichen Engel, dem ich sehr viel zu verdanken habe. Eigentlich
habe ich zwei davon. Auf unserem Hof liefen auch
Hühner. Wir bekamen nicht viel zu essen und so habe ich
mir ein Huhn geschnappt. Naja, das war vielleicht auch nicht
fair, aber wir alle hatten Hunger. Das war der Tag, an dem
ich die Kette um den Hals bekam. Meine Hündin wurde auch
angekettet. Von da an hatten wir ein tristes, langweiliges Leben.
Tag aus Tag ein immer gleich. Im Sommer brannte die
Sonne, im Herbst war es nass und im Winter sehr kalt.
Mein Engel von der anderen Straßenseite schimpfte
viel und laut mit meinen Menschen. Am Anfang mochte ich
sie nicht. Ich mochte eigentlich niemanden und hab auch

mal gebissen. Ich war schlecht gelaunt. Mein Engel brachte
mir aber Leckerlies und nach zwei Wochen ließ ich mich
auch von ihr anfassen. Es war mein Highlight, wenn sie kam.
Sie brachte mir aber nicht nur Leckerlies, sondern ich bekam
auch eine Hütte. Nun hatte ich endlich auch Schatten und
Schutz vor der Nässe. Kalt war es trotzdem im Winter. Meine
Hündin wurde durch meinen Engel kastriert. Von da an
durfte sie wieder frei auf dem Hof laufen. Das war der Deal.
Ich durfte das nicht. Anstatt die Hühner einzusperren, wurde
ich weiter angekettet. Nach einigen Jahren an der Kette ging
es mir schlecht. Die Kette wuchs in meinen Hals. Mein Engel
kam und behandelte mich. Sie löste die Kette, gab mir Antibiotikum
und legte mir einen Verband um. Ich bekam auch
ein Halsband. Einige Tage später kam mein Engel wieder,
aber meine Menschen hatten mir die rohe Kette wieder um
den Hals gelegt. Ich hatte immer wieder Probleme. Im Winter
war es sehr, sehr kalt. Mein Engel kam und brachte mir
warme Suppe. Das tat gut. So ging es Jahr ein Jahr aus. Es
müssen ungefähr sechs Jahre gewesen sein.
Zwischendurch habe ich weiter an der Kette rumgepöbelt
und dafür auch das eine und andere Mal mit dem
Stock Prügel bezogen. Ich dachte, so ein Leben ist normal.
2005 aber sollte sich in meinem Leben etwas Drastisches
ändern. Davon habe ich nichts gewusst. Mein Engel überredete
meine Leute, mich wegzugeben. Sie würde versuchen,

einen neuen Platz für mich zu finden. Meine Menschen wollten
mich doch eh nicht. Ich war eine Last. So kam ich in das
Internet. Davon aber wusste ich nichts. Ich würde ein Notfall
sein. Ich hing an der Kette. Meine Menschen würden mich
gehen lassen. In Norddeutschland gab es meinen anderen
Engel. Die las die Anzeige.
Sie meldete sich auf die Anzeige und fragte, was
man tun könnte. Sie hing Flyer für mich auf. Das tat sie für
mich! Und es meldeten sich Menschen, die mich nehmen
würden. Auf eine Pflegestelle sollte ich. Es wurde alles abgesprochen
und am 02.10.2005 war es dann soweit. Ein
Mann kam in Begleitung meines Engels. Ich war sehr
freundlich und hatte keine Angst. Sie löste meine Kette und
ich freute mich. Sie strich mir immer wieder über den Kopf
und wünschte mir alles Gute. Ich kam in eine Box und in einen
Transporter. Es waren noch andere Hunde dort. Einige
waren krank. Die Fahrt war lang. Dann stoppte der Transporter.
Dort sah ich das erste Mal meinen weiteren Engel.
Sie kannte ich ja nicht und ich hatte Angst.
Sie nahm meine Leine und begrüßte mich. Sie redete
leise mit mir. Ich musste pullern und das tat ich dann
auch. Alle lachten. Sie hob mich in ein weiteres Auto. Wir
fuhren wieder. Hier war es komisch, so ohne Box. Wir kamen
nach einer ganzen Weile irgendwo an. Sie hob mich
raus und wir gingen noch mal Gassi. Hier roch alles ganz

anders und ich hatte große Angst. Sie sagten immer wieder,
ich würde stinken. Mein Engel setzte mich in das Auto. Sie
wollten hier übernachten. Ich schlief im Auto. Ich bekam
noch Wasser und leckere Würstchen. Ich war gestresst und
mochte nichts essen. Doch irgendwann konnte ich der Versuchung
nicht mehr widerstehen. Ich bin dann endlich eingeschlafen.
Am nächsten Morgen stand mein Engel wieder
am Auto. Ach, die ist schon okay. Ich freute mich auf sie. Sie
nahm mich aus dem Auto und wir gingen spazieren. Spazieren
gehen! War das toll!
Ihr glaubt gar nicht, wie viele Hunde es auf dieser
Welt geben muss. Ich hab so viele gerochen. Viel mehr als
in Ungarn auf unserem Hof. Ich musste immer schneller gehen,
weil ich mehr riechen wollte. Das war toll. Wir kamen
dann nach circa einer dreiviertel Stunde wieder an dem Auto
an. Das war auch okay, denn das kannte ich. Ich sprang nun
freiwillig rein.
„Jetzt wohne ich eben hier. Das ist für mich auch in
Ordnung", dachte ich. Besser als an der Kette und es war
warm und trocken darin. Nach einer weiteren Stunde kam
mein Engel wieder zurück. Sie packten Sachen ein und wir
fuhren mit dem Auto. Lange, sehr, sehr lange. Ich hatte wieder
Angst und es dauerte eine ganze Weile, bis ich mich überhaupt
mal traute, aus dem Fenster zu schauen. Es überholten
uns Autos. Darin waren auch Hunde. Komisch - hier

schienen Hunde nicht an Ketten zu leben, sondern in mobilen
Hütten. Irgendwann endete die Reise. Wir stiegen aus
und hier war sie nun. Meine Pflegestelle.
Die Frau war sehr nett und hatte mehrere Hunde. Es
kam eine Jack-Russel-Hündin auf mich zu und pöbelte mich
an. Ich hatte die Nase voll. Sie brüllte mich an, ich hätte hier
nichts zu suchen und sie wolle mich nicht sehen. Ich ließ mir
das eine Weile gefallen, aber irgendwann reichte es auch.
Ich hatte jetzt genug hinter mir und sagte ihr dann, dass ich
sie scheiße fände und ich wollte auch gar nicht hier her.
Mein Engel verstand das und packte mich wieder ein. Sie
hatte eine Freundin, die eine Tierpension hat. Kurz durchgeklingelt
und ich konnte dahin. Dort konnte ich aussteigen
und bekam Asyl. Auf einem kleinen Rasenstück wurde ich
freigelassen. Es liefen da auch noch Welpen rum. Die waren
ja mitgereist. Ich war nicht allein. Sie spielten und ich schaute
mir das an. Ich hatte keine Kette, keine Leine um - ich
war frei. Das habe ich nicht verstanden. Ich war es gewohnt,
in meinem Kettenschema zu laufen und ging auch hier - wie
gewohnt - drei Schritte vor, drei zur Seite und im Kreis zurück.
Für mich war das normal. Meinem Engel fiel das auf
und sie hat mich gelockt. Aber ich kannte nur mein altes
Schema: drei Schritte vor, drei zur Seite und im Kreis zurück.
Mein Engel wunderte sich. Und lockte mich wieder,

aber ich blieb dabei: drei Schritte vor, drei zur Seite und im
Kreis zurück. Doch dann nahm sie einen Ball, warf diesen
und forderte mich zum Spielen auf. Boah, ein Ball - klasse,
den wollte ich haben und bin gerannt. Ich konnte rennen! Ich
hatte den Ball! Ich konnte endlich laufen. Vor Freude haben
ich Harken geschlagen und immer wieder den Ball gejagt.
Ach, das war schön. Nun war ich reichlich kaputt und mir
wurde mein Zimmer gezeigt. Ein eigenes Zimmer. Dort bekam
ich zu essen. Ich hatte auch einen kleinen Garten und
eine dicke Matratze mit einer Wolldecke. Doch zuerst musste
ich mal schlafen und habe herrlich auf meiner warmen
Matratze geträumt. Am nächsten Tag kam mein Engel und
brachte mir ein Kuschelkörbchen. Das war schön. So weich
- so etwas Schönes hatte ich noch nie. Ich freute mich sehr
sie wiederzusehen. Sie ging mit mir spazieren. Sie kam immer
wieder. Jeden Tag kam sie und ging mit mir spazieren.
Wir fuhren auch mal mit den anderen Hunden an den
Strand. Ich durfte sogar frei laufen. Ich hörte auf meinen
Namen und kam immer, wenn man mich gerufen hat. Mein
Engel machte Bilder von mir und suchte nach meinen Menschen.
So ein Blödsinn! Ich hatte doch hier tolle Menschen
und meinen Engel sowieso. Es kamen aber immer mehr diese
Momente, in denen mein Engel sehr traurig war. Sie saß
manchmal neben mir auf meiner Matratze in meinem kleinen
Zimmer und weinte. Sie erzählte mir, dass sie mich gerne
behalten würde, aber dass das nicht gehen würde. Warum

nicht? Warum ging das nicht? Ich liebte sie doch so sehr.
Sie weinte immer öfter. Am 10.10.2005 dann kam mein Engel
mit ihrem Mann. Wir machten wieder einen Ausflug. Es
waren auch die Hunde meines Engels dabei.
Ich war freundlich und dachte mir: "Du musst dich
von deiner besten Seite zeigen. Von der allerbesten." Sie
hatte mir zuvor erzählt, warum sie mich nicht behalten durfte.
Ihr Mann war der Meinung, sie habe schon genug Hunde.
Ich ging bei Fuß, ich ließ mich abrufen und klebte meinem
Engel an der Wade. Der Onkel meines Engels war auch dabei.
Der konnte gar nicht glauben, dass ich so gut hörte. Er
war begeistert von mir. Der Mann von meinem Engel sagte
nichts. Hatte ihm das nicht gefallen? Hatte ich was falsch
gemacht? Was sollte ich denn noch machen? Wir saßen bei
diesem Onkel noch im Garten. Ich spielte mit den anderen
Hunden. Da ging das Handy von dem Mann meines Engels.
Ein Freund war dran. Der sagte zu ihm: „Hast du denn jetzt
schon was für Elke zum Geburtstag?" Da erfuhr ich am
Rande, dass mein Engel Elke hieß und sie am nächsten Tag
Geburtstag hatte. Dieser Mann lachte komisch und sagte
immer „Ja, ja!" und „Ich weiß", kicherte und sagte dann wieder
„Nein" und „Ich kann jetzt nicht". Irgendwie komisch, aber
ich spielte weiter. Wir fuhren dann los, denn ich musste
um 18:30 Uhr wieder in meinem Zimmer sein, denn sonst
hätte ich kein Abendbrot bekommen. Im Auto war es still.

Komisch still. Auf der Hinfahrt hatten die beiden sich noch
viel zu erzählen, aber jetzt war es still. Keiner sagte ein Wort
- komisch. Ich hatte etwas falsch gemacht. Sie waren nicht
zufrieden mit mir. Sie hielten auf dem Parkplatz an der Pension
und mein Engel wollte die Autotür aufmachen. Plötzlich
sagte der Mann von meinem Engel was und was er sagte
hat mein Leben nochmals verändert. Er sagte zu meinem
Engel: „Warte mal". Sie sagte: „Was denn? Er muss rein,
sonst bekommt er kein Essen." Er sagte: „Lass ihn mal drin."
Mein Engel entgegnete: „Wie, lass ihn mal drin?" Er sagte:
„Er darf bleiben." Mein Engel weinte, sie weinte sehr. So
sehr hatte sie zuvor noch nicht geweint. Sie nahmen sich
beide in die Arme und sie sagte immer wieder: „Danke. Danke.
Danke." Oh Mann! Ich durfte bleiben. Ich war ganz aufgeregt.
Mein Engel ging in die Pension. Sie musste ja meine
Reservierung dort stornieren. Sie kam ins Büro und war völlig
verheult. Angelika, so heißt die Frau in der Pension,
schaute ganz erstaunt und fragte entsetzt: „Was ist passiert?"
Mein Engel fing wieder an zu weinen. Angelika dachte,
dass etwas Schlimmes passiert war. Mein Engel sagte
unter Tränen: „Paul darf bleiben. Paul ist mein Geburtstagsgeschenk."
Das schönste, was sie je bekommen hatte. Angelika
sprang sofort auf und nahm meinen Engel in den Arm.
Sie sagte immer wieder: „Ich freue mich so für euch." Für
mich fing ab da ein richtig schönes Leben an. Natürlich gab
es einige Höhen und Tiefen.

Ich war ein Kettenhund. Wir Kettenhunde entwickeln
oft Trennungsangst. Die hatte ich anfangs ganz schlimm.
Immer, wenn mich mein Engel verlassen musste, hatte ich
Angst. So schlimme Angst, dass ich versuchte, mich an der
Hauseingangstür durch den Beton zu fressen. So schlimm,
dass ich versuchte, mich durch die Terrassentür zu fressen.
Mein Engel weiß aber damit umzugehen. Mein Zuhause gibt
mir Sicherheit und ich weiß inzwischen, dass sie jedes Mal
zu mir zurückkommt. Meine Menschen sagen, sie würden
immer wieder einen Kettenhund nehmen - auch mit Trennungsangst
.Es gibt zwei Dinge, die ich erreicht habe. Mein
Engel hat durch mich erkannt, dass es viele Hunde in Ungarn
gibt, die Hilfe brauchen. Es haben sich immer mehr
Menschen gemeldet und wollten auch etwas für diese Hunde
in Ungarn tun. Ich war jedoch der Allererste und darauf
bin ich stolz. Mir sind jetzt schon über 1000 Hunde in eine
bessere Welt gefolgt. Alle mussten die gleiche Strecke in einem
Transporter fahren. Aber ich war der erste! Und ich habe
noch etwas erreicht. Heute ruft mich mein Herrchen: „Wo
ist Vaddis Bester?" Und dann komme ich. Denn das bin ich.
Ich bin Vaddis Bester und darauf bin ich stolz
Euer Paul
Initiator der Pfotenhilfe-Ungarn
Pfotenhilfe-Ungarn-Team