Verhaltensauffällige Hunde in Berlin

Es geht zügig voran beim Neubau im Tierhheim FalkenbergHalbzeit für Neubau eines Hunde-Rehazentrums - Tierschutzverein für Berlin redet nicht, sondert handelt praktisch

Hundenotstand im Tierheim Berlin: Die Boxen in der „Stadt der Tiere" sind übervoll. 85 Prozent der Vierbeiner gelten auf Grund ihres Alters oder ihrer Rasse als schwer vermittelbar. Vor allem Hunde, die nach dem Berliner Hundegesetz als „gefährlich" eingestuft sind, sorgen für randvolle Tierhäuser. Nachdem die Berliner Politik sich nicht im Stande sah, den Tierschutzverein bei der Versorgung, Betreuung und Vermittlung der Hunde zu unterstützen, ergreifen die hauptstädtischen Tierschützer nun selbst Initiative. Auf rund 6.000 Quadratmetern entsteht bis zum Herbst ein neues Hundereha- und Trainingszentrum. Am Donnerstag (14. April 2011) war Richtfest für die Rohbauten. Die 1. Vorsitzende des Vereins, Antje Backhaus, schlug gemeinsam mit einem Zimmermann den letzten Nagel ins Dachgebälk.

Derzeit warten im Tierheim fast 300 Hunde auf ein neues Zuhause, viele davon teilen sich zu dritt eine Box, die sonst für einen Hund ausgelegt ist. Wenn im Herbst der Neubau eröffnet, rechnet der Tierschutzverein mit einer Entlastung - denn im neuen Hundereha- und Trainingszentrum finden 60 Tiere ein vorübergehendes Zuhause. Vor allem verhaltensauffällige oder schwer kranke Tiere sollen hier mit Hilfe professioneller Hundetrainer und Therapeuten auf ein Leben nach dem Tierheim vorbereitet werden. „Unser Ziel ist es, die Vermittlungschancen dieser Tiere deutlich zu erhöhen und die Aufenthaltsdauer im Tierheim merklich zu verkürzen", sagt Wolfgang Apel, der Präsident des Tierschutzvereins für Berlin. Seiner Einschätzung zufolge wird sich die Situation im Bereich der Hunde aber nur kurze Zeit entspannen. „Auf lange Sicht werden auch die zusätzlichen Plätze schnell belegt sein", sagt Apel. Antje Backhaus 1. Vorsitzende des Tierschutzvereins Berlin beim Hammerschlag


Dabei sieht der Tierschutzverein für Berlin das Land Berlin in der Verantwortung: Weil im Berliner Hundegesetz zehn Rassen de facto als gefährlich eingestuft sind, werden die als „Listenhunde" kategorisierten Tiere zu Hauf von Veterinärämtern beschlagnahmt oder von Besitzern abgegeben. Oft fehlt es lediglich an den im Gesetz geforderten Bescheinigungen zur Haltung. „Wenn man so will, dann trägt der Tierschutzverein für Berlin die Konsequenzen aus dem vom Berliner Abgeordnetenhaus verabschiedeten Hundegesetz - tierschützerisch und finanziell", erklärt Apel. Denn die lange Aufenthaltsdauer der schwer vermittelbaren „Listenhunde" sorgt beim Tierschutzverein für Berlin für enorme Kosten. Diese werden einzig und allein aus Spendenmitteln aufgebracht. „Das Land Berlin als Urheber des Hundegesetzes beteiligt sich in keiner Form daran, die Unterbringung und Versorgung dieser Tiere zu finanzieren", kritisiert Wolfgang Apel.


Verärgert ist der Tierschutzverein auch über die Tatsache, dass ein rechtzeitig gestellter Lottoantrag vom Lottobeirat abgelehnt wurde. „Dabei wollen wir in unserem Hundereha- und Trainingszentrum auch Anlaufstelle für Menschen mit verhaltensauffälligen Hunden sein", erklärt Apel. Ohne professionelle Hilfe käme es in Grünanlagen und auf der Straße unweigerlich zu Konflikten zwischen Besitzern von so genannten Listenhunden und Passanten. „Nicht selten sehen sich Hundehalter genötigt, ihr geliebtes Tier im Tierheim abzugeben, weil der Gesetzgeber unüberwindbare, kostspielige Hürden für die Haltung der Vierbeiner vorsieht."


Im Herbst soll das neue Kompetenzzentrum in Betrieb gehen. Finanziert wurde es allein aus Spenden. Die Bausumme liegt bei rund 2,5 Millionen Euro. Allerdings fehlt für die Ausstattung des Hauses noch Geld. Der Tierschutzverein für Berlin setzt daher auf die tierlieben Berliner, auf die er sich bereits in der Vergangenheit verlassen konnte und bittet um Sonderspenden für den Neubau auf das Konto 35600105 bei der Postbank Berlin (BLZ 100 100 10), Stichwort: Neubau Hundehaus