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Die schönste Geschichte des Sommers
Ein behinderter Hund ist kein Handicap – die Geschichte von Sky und Frauchen Petra Herrmann

Text: Thomas Böhm/ Fotos: Marilla Slominski
Mit einem mächtigen Satz springt Sky über die Treppen in den Garten, flitzt ein paar Runden um den alten Apfelbaum, tobt mit seinen beiden Hunde-Kumpels Trixi und Unkas, rollt sich über den Rasen und schaut Schwanz wedelnd in den Himmel. Als Frauchen ihn ruft, springt er auf, macht vor ihren Füssen „Sitz“ und gibt Pfötchen. Der Australian Shepherd-Border Collie Mix ist ein ganz normaler, glücklicher Hund. Aber Sky kann nichts sehen und ist einseitig taub. „Blinder Hund“ steht auf seinem Geschirr.
„Sonst würde das kein Mensch merken“, sagt Frauchen Petra Herrmann, 43. Dass sich der zweijährige Sky so „unauffällig“ verhält, ist das Resultat ihrer konsequenten, liebevollen und geduldigen Erziehung.
„Als wir ihn vor einem Jahr zu uns geholt haben, war der kleine Sky völlig verstört, hat ängstlich um sich gebissen, wollte von keinem Menschen angefasst werden.“
Petra Herrmann entdeckte Sky im Internet, sein Schicksal ist ihr ans Herz gegangen, also setzte sie sich nach Einberufung des Familienrats ins Auto und fuhr nach Biberach, 650 Kilometer von Berlin entfernt, und holte Sky aus dem dortigen Tierheim. „Es war aber nicht nur eine emotionale Entscheidung. Ich wollte einen dritten Hund und ich wollte einen Hund mit schlechten Vermittlungschancen, vielleicht aber auch eine neue Herausforderung.“
Sky ist von Geburt an behindert. Er hat einen Gen-Defekt, der bei ihm zur Blindheit und einseitigen Taubheit führte. In seiner Prägephase wurde er herumgereicht, keiner wollte sich mit einem Problemhund belasten.
„Die erste Zeit war wirklich schwierig. Sky war misstrauisch, zuckte bei jedem Geräusch zusammen und schnappte sogar nach meinem Sohn. Aber so schnell gebe ich nicht auf.“
Petra Herrmann baute daraufhin ein spezielles Training auf. Durch Richtungskommandos wie „Links“ und „Rechts“, weiß Sky jetzt, wie er sich auch ohne Leine bewegen kann. Er reagiert auf „Stopp“ und gehorcht sogar schon auf Distanz. Auch wenn Petra mit ihren Fingern über seine Schnauze streicht, weiß Sky, dass er sich jetzt hinlegen soll.
Heute geht es noch zum Üben in den Grunewald. Bei Begegnungen mit anderen Hunden verhält sich Sky noch unsicher. „Er kann natürlich auf Grund seiner Behinderung nicht einschätzen, was ein anderer Hund von ihm will, wenn er auf ihn zu gerannt kommt. Da muss ich noch Hilfestellung leisten und ihm Sicherheit geben. Die Arbeit mit ihm hört wohl nie auf. Aber das macht uns beiden Freude. Sky vertraut mir blind und für mich ist er ein Geschenk des Himmels.“
Mehr Infos und Fotos unter www.hpt-herrmann.de
Für die Online Hunde Illustrierte Tausend Tölen erzählen zwei weitere Hundefreundinnen, Heike Oberhäuser aus Wuppertal und Kati Santarossa aus Fockbek von ihren Erfahrungen mit behinderten Vierbeinern.
Jamie wurde in den ersten 8 Monaten ihres Lebens an einer Heizung angebunden. Sie bekam fast nie zu fressen oder zu trinken. Sie durfte nicht nach draußen, annte weder andere Hunde, Menschen oder Umwelteinflüsse. Der Vorbesitzer brachte ihr zahlreiche Verletzungen bei: Radiusfraktur und Karpalgelenkfraktur am rechten Bein, Darmbeinbruch rechte Hüfte, linke Hüfte Oberschenkelhalskopf gebrochen und ausgekugelt, durch Schläge auf Auge/Kopf traten Verletzungen ein, die zur Erblindung führten. Ihrem Schicksal selber überlassen, ohne tierärztliche Versorgung, vegetierte sie vor sich hin. Mit 8 Monaten wurde sie von beherzten achbarn gerettet und ins Tierheim gebracht. Dort fand ich Jamie 4 Wochen später und wir dachten nicht eine Sekunde darüber nach, was uns mit einem blinden Hund erwartet.
Jamie war anfangs ein apathischer Hund. Sie konnte nicht bis kaum laufen, nicht stehen und sie nahm kaum etwas wahr. Sie wurde an der Hüfte operiert, am Auge bekam sie eine Skleraprothese und für das Vorderbein Physiotherapie. Jamie fing an zu leben, wir zeigten ihr die Welt und mitsamt ihren Hundekumpels lernte sie, was es heißt, ein Hund zu sein.
Innerhalb von nur wenigen Monaten brachte ich Jamie viele Sachen bei. Sie bestand die Begleithundeprüfung des VDH und wir trainieren weiterhin im Obedience. Wenn s nicht offensichtlich wäre, dass sie blind ist, niemand würde es merken. Jamie liebt Wasser, sie braucht es einfach zum Leben, es ist ihr Element und sie apportiert Bälle aus dem Wasser, egal wie weit ich diese werfe. Sie hat in den Jahren ihre Ohren und ihre Nase so geschärft, da kommt kaum ein sehender Hund ran.
Ein blinder Hund ist sicher eine Herausforderung aber gleichfalls auch ein sehr guter Lehrer. Aller Anfang ist schwer, besonders wenn man noch nie mit einem blinden und zu tun hatte. Wenn wir aber bereit sind, uns voll und ganz auf diese Hunde einzulassen, werden wir schnell bemerken, dass sie so anders gar nicht sind. In nserem Leben ist Jamie nicht mehr wegzudenken und mit ihr wurde uns klar, ein Handicap Hund wird bei uns immer ein Zuhause finden.
Weitere Infos über Jamie, das Leben mit ihr, die Erziehung und Beschäftigung findet man auf unserer Homepage: www.Dreamdogs-Trio.de
Sehr wahrscheinlich wurde Doddi auf der Straße geboren und dort als ganz kleiner Welpe auch verstümmelt. Sie hatte das große Glück, dass sie in der Türkei so schwer verletzt überhaupt überlebte und der Tierschutz über Ländergrenzen hinweg ihr den Flug in eine hoffnungsvolle Zukunft ermöglichte.
Im Juni 2003 fand Doddi bei uns ihr endgültiges Zuhause.
Wir haben uns damals sehr bewusst für das kleine Dreibein entschieden und aus dem anfänglichen Mitleid wurde schnell eine ganz große Liebe.
Doddi war etwa 7 Monate alt als sie zu uns kam und hatte die Amputation ihres rechten Hinterbeines bereits erstaunlich problemlos überstanden.
Inzwischen ist unsere „Kleine“ schon 6 Jahre alt und rennt, springt und tobt wie andere (vierbeinige) Hunde auch. Sie buddelt Löcher, klettert die steilsten Berge hinauf und hinunter, springt und geht leidenschaftlich gerne baden. Sie begleitet uns begeistert wenn wir mit dem Fahrrad oder mit Inlinern unterwegs sind und unsere normalen Alltagsspaziergänge bewegen sich zwischen ein und zwei Stunden täglich.
Auch auf ihre Lebensfreude hat das fehlende Bein keinen Einfluss.
Doddi ist ein unglaublich fröhlicher Hund und mit ihrem unbeschreiblichen Koboldcharme erobert sie alle Herzen im Sturm.
Ihre körperliche Behinderung bereitet ihr zur Zeit noch keine Probleme.
Schwerwiegender, und nicht ganz so offensichtlich wie das fehlende Bein aber, sind die Narben auf Doddi´s Seele - die Erinnerungen an ihre ersten Lebenswochen und die furchtbare Verstümmelung sitzen traumatisch tief.
Doddi ist nach all den Jahren immer noch ein eher unsicherer Hund, emotional nicht sehr belastbar und leicht aus der Fassung zu bringen.
Wir haben gelernt damit umzugehen und die Entscheidung für Doddi und somit für einen Hund mit Handicap noch keinen Tag bereut.
Im Gegenteil: Das Zusammenleben mit unserem kleinen türkischen Sonnenschein auf drei Pfoten macht uns unglaublich glücklich und zufrieden!
Und wer nun neugierig geworden ist, findet die ganze Geschichte und viele Bilder von Doddi unter www.meine7pfoten.de auf unserer privaten Homepage.
Unter diesem Motto ist das Netzwerk für Hunde mit Handicap nun schon seit Januar 2003 für und mit behinderten Hunden im Einsatz. Anfangs waren es nur eine Handvoll Halter, die sich im Internet über die Handicaps ihrer Hunde austauschten. Inzwischen gehören zu unserer Gemeinschaft weit über 200 Mitglieder aus allen Teilen Deutschlands und dem angrenzenden Ausland.
Auf Tagen der offenen Tür diverser Tierschutzorganisationen und anderen Veranstaltungen wie dem Dog Day in Düsseldorf sind wir gern gesehene Gäste. An unserem Stand bieten wir interessierten Besuchern die Möglichkeit, sich im persönlichen Gespräch mit den Mitgliedern unseres Netzwerks über das Thema Behinderungen beim Hund zu informieren. Der beste Weg, mit Vorurteilen aufzuräumen, führt jedoch über unsere Hund selbst: in kleinen Vorführungen zeigen sie, wie gut bei tauben Hunden die Erziehung über Sichtzeichen funktionieren kann, dass auch ein "Blindfisch" durchaus Spaß am Apportieren hat und ein "Dreibein" in Punkto Schnelligkeit seinen vierbeinigen Artgenossen keineswegs nachstehen muss. Dank Unterstützung unserer Gruppen in Süd- und Norddeutschland sowie im Raum Berlin können wir inzwischen auch an Veranstaltungen außerhalb NRWs teilnehmen. Allein im Jahr 2008 nahm das Netzwerk für Hunde mit Handicap bundesweit 13 Termine wahr - Tendenz steigend.
Ein wichtiges Medium für unsere Aufklärungsarbeit ist nach wie vor das, was uns ursprünglich zusammenbrachte: das Internet. Mit unserer Website www.behinderte-hunde.de bieten wir viele Informationen und nützliche Adressen rund um den behinderten Hund. Zahlreiche Erfahrungsberichte laden zum Lesen ein und zeigen eindrucksvoll, dass das Leben auch mit Handicap für einen Hund durchaus lebenswert sein kann.
Hunde kommen in der Regel sehr schnell mit ihrer Behinderung zurecht - Probleme damit haben meist eher die Halter. Ein Mensch, gerade wenn er plötzlich mit dem Handicap seines Hundes konfrontiert wird, sucht Austausch mit anderen Betroffenen und braucht jede Menge Zuspruch und Anteilnahme. All das findet er in unserem gut besuchten Forum (erreichbar auch über www.behinderte-hunde-forum.de), dem Herzstück unserer Homepage. Viele, die sich einst verzweifelt an uns wandten sind heute fester Bestandteil unserer Gemeinschaft und machen mit ihren Erfahrungen neuen Mitgliedern Mut.
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